Der jüngste Gammelfleisch-Skandal bewegt nicht nur Politik und Verbraucherschützer, sondern auch die Lebensmittelbranche selbst doch sie sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. 99 Prozent der Lebensmittel verarbeitenden Betriebe arbeiten sauber, sagt ihr oberster Lobbyist Jürgen Abraham, Geschäftsführer eines Schinkenherstellers und Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Wenige Gauner brächten einen kompletten Wirtschaftszweig in Verruf, obwohl auch der aktuelle Gammelfleisch-Fund in Bayern lediglich ein Einzelfall sei.

So einig ist man sich selten in der Branche. Normalerweise wurschteln die meisten Unternehmen vor sich hin. Fragt man bei Herstellern und Händlern nach Reaktionen auf den aktuellen Fleischskandal, sagen sie: keine, denn wir sind nicht betroffen. Wir haben alles lückenlos dokumentiert.

Das sei prinzipiell auch gut so, entgegnet Thilo Bode von der Verbraucherorganisation Foodwatch in Berlin, allerdings sollten nicht nur die Unternehmen selbst herausfinden können, wo ihre Ware herkommt, sondern auch die Konsumenten. Wer sich die Selbstkontrollen der Fleischindustrie näher ansieht, stößt auf eine verwirrende Vielfalt von Konzepten in höchst unterschiedlicher Qualität. Die meisten dieser Programme finden sich aber auch nur dort, wo es um Markenfleisch geht und das ist höchst selten, denn der größte Teil des Fleisches wird als anonyme Massenware an den Markt gebracht.

Rückverfolgbarkeit und geschlossene Kreisläufe sind die Zauberwörter, die Industrie, Handel und Gastronomie immer wieder beschwören.

So zum Beispiel die Fleischwerke Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück, eines der großen Unternehmen der Branche. Acht Millionen Schweine schlachtet Tönnies pro Jahr, beliefert wird die Firma von rund 35000 bäuerlichen Betrieben. Wie dort die Kontrolle funktioniert, erklärt Landwirt Günter Völker, der jährlich etwa 1200 Mastschweine an Tönnies liefert.

Wie andere Lieferanten muss auch er seinen Betrieb von einem unabhängigen Institut zertifizieren lassen. Die Hälfte des Tierfutters baut er auf den eigenen Feldern an, die andere Hälfte kauft er bei der lokalen Genossenschaft. Ich vertraue auf meine lokale Genossenschaft, mehr kann ich nicht tun, sagt Völker. Die Lieferscheine jeder einzelnen Futtermittellieferung heftet er ab. Sollte eines seiner Schweine beanstandet werden, könnte er anhand dieser Dokumente herausfinden, was das Schwein gefressen hat. Damit entspricht er den Anforderungen des QS-Systems, des Bündnisses für Qualität und Sicherheit, das Industrie und Handel gemeinsam erarbeitet haben.

Hundertprozentige Sicherheit, so glaubt er, könne es trotzdem nicht geben.