Bei Gucci, hieß es lange, brauche sich eine Frau gar nicht zu bewerben. Ford machte das Unternehmen in den Neunzigern zur Erfolgsmarke; die Gucci-Frau, die er entwarf, war ostentativ sexy, aggressively sexy, wie es hieß. Die ultimative Verschmelzung von Logo und Sex war mit der Kampagne erreicht, in der das Model sein Schamhaar als Gucci-Initial trug. Im März 2004 verließ Tom Ford Gucci, ein Dreierteam wurde eingesetzt, aus dem schließlich die Accessoire-Designerin Frida Giannini als neue Kreativdirektorin hervorging.

Frida Giannini hat diese Kampagne nie für besonders gelungen gehalten. Zwar ist auch sie der Ansicht, dass Gucci nicht einfach Taschen, sondern auch "Träume" verkaufen sollte, allein der Preise wegen. Und die Frau bei Gucci trägt auch heute rot-schwarze Leopardenprints oder knappe Minikleider, kombiniert allerdings mit blickdichten Glitzerstrumpfhosen. Die neue Gucci-Frau, sagt Giannini, sei weniger sexbesessen, dafür aber sinnlicher. Was Giannini anstrebt, ist weniger Pose als Tragbarkeit. Sie nennt es "einen intelligenten Glamour für meine Generation". Überhaupt, so sagte sie in einem Interview, gehörten die Karrierefrauen auf Stilettos in die Kostümgeschichte, ins Kapitel "Die Neunziger".

Der Stil des neuen Jahrtausends steht noch aus, die Haltung, scheint es, ist schon gefunden: Gelassenheit. Berufstätige Frauen in leitenden Positionen – alles keine Sensation mehr. Die Mode, so scheint es, hat sich in Reaktion auf die sozialen Veränderungen gewandelt. Die Brioni-Designerin Cristina Ortiz sagt es so: "In dieser Generation ziehen sich die Frauen für sich selbst an, nicht, um zu gefallen. Sie haben ihre eigenen sexuellen Fantasien, die sie ausdrücken." Im Übrigen sei die Brioni-Frau eine sehr feminine Frau. Ortiz nutzt die Ateliers des Herrenschneiders Brioni für die Umsetzung ihrer Vision.

An den neuen Frauen in der Mode fällt auf: Sie erfinden nicht, wie noch die Comme-des-Garçons-Designerin Rei Kawakubo, völlige neue Formen. Sie spielen nicht mit dem Unisex-Gedanken. Sie fügen sich in die Häuser ein, für die sie entwerfen. Sie benutzen schmerzfrei die alten Begriffe und meinen doch anderes damit. Weiblichkeit heißt in der Mode – zunächst ideologiefern – nur, dass es eine Taille gibt. Sinnlichkeit ist nicht weiblicher Wesenszug, sondern Verfahren, sie entsteht daraus, dass Designerinnen jeden Entwurf probetragen können. Bei Céline wird sie von breiten Krokodilledergürteln betont. Dazu trägt man schmale Röcke aus Tweed oder schwingende Röcke aus geschichteten Chiffonstreifen. Und Nerzoberteile, die wie ein Rollkragenpullover geschnitten sind. Wie Vipiana versteht Ivana Omazic ihre Céline-Kollektionen als "Hommage an die moderne Frau: eine Frau, die arbeitet". Entlang der Codes des Hauses soll die Frau elegant sein, aber nicht beschränkt, nicht "Gefangene der Kleider". Nichts sei lästiger, sagt Omazic, als einen Abend damit zu verbringen, das Kleid an seinem Ort zu halten.

Der Frau aber, die als Einflussreichste in der Modewelt gilt, genügt das nicht. Miucchia Prada hatte einst den Lady-Look mit in die Mode gebracht. Jetzt arbeitet sie daran, dass das sanft Weibliche, das gerade so selbstverständlichen Eingang findet, wieder aus der Mode verschwindet. Für den Winter zeigt sie eine Art urbane Amazone in Leopardendruckmänteln und Nylonparkas, die Aktentasche stets unter dem Arm. Ihre Farbpalette ist mit Olive und Asphaltgrau reichlich düster. Frauen sollten zur Stärke zurück finden, sagt Prada. Wenn es so geht wie immer, dann folgen ihr andere bald nach. Mit der Lieblichkeit wird es dann vorbei sein.