So schreibt Fest zunächst: »Das zertrümmerte Land, in das ich 1947 zurückkehrte, war nicht so sehr, wie man es heute häufig sieht, eine Welt der Enge und Bewegungsnöte. Vielmehr bot es auch Freiräume und bestimmungslose Leerflächen.« Doch ganz wenige Seiten später liest man, wie schön es in Italien war, »zumal wenn man aus dem an seiner Enge nahezu erstickenden Deutschland kam…« Was nun – eng oder nicht? Und was fangen wir mit einem Satz wie diesem an: »Nicht ganz ohne Grund kann man daher den Judenhass der Deutschen und sein Vernichtungswerk als eine Art Brudermord deuten, auch wenn man sich bewusst ist, wie unendlich vieles dagegen spricht«? Wenn unendlich vieles gegen eine These spricht, kann man sie dann wirklich aufstellen? Fragen also an das eine oder andere, bisweilen grundsätzliche Clair-obscur – doch alle staunende Bewunderung angesichts dieses Porträts eines Vaters. Man hätte ihn, wenn schon nicht gehabt, so doch gerne auch in persona kennen gelernt.

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Das Buch erscheint am 22. September