Wohin geht die Reise? Einmal um die halbe Welt, über Berg und Tal, am Meer entlang und durch die Wüste. Bis wir anlangen an der Nahtstelle zwischen Orient und Okzident. Dort, wo der Krieg tobt, der Kampf der Kulturen ausgefochten wird, dort ist selbst die Musik zerrissen. Im Heiligen Land nennen sich Bands, wie eine Kartätsche klingt: Boom Pam.

Das Quartett stammt aus Tel Aviv, und nichts läge ihm ferner, als die eigene Musik als politisch zu verstehen. Doch wenn die vier auf ihrem Debütalbum Boom Pam so tun, als seien sie eine Zigeunerkapelle, die zuerst den Free Jazz entdeckt und dann mit den Mitteln der Avantgarde die Folklore Südeuropas und des Nahen Ostens dekonstruiert, bevor wie nebenbei kapitalistische Popklischees demaskiert werden, dann träumen sie im Geheimen doch auch den Traum von einer funktionierenden multiethnischen Gesellschaft, vom Frieden zwischen den Völkern, vom Schmelztiegel Israel.

Ihre so verwegene wie verworrene Mischung, die keine Grenzen kennt, entwickelte und erprobte die Band gleichermaßen erfolgreich in Clubs wie auf Vermählungen. Bewusst spielen Boom Pam ohne Fiedel oder Akkordeon, denn Klezmer verachten sie als Klischee jüdischer Musik, als Beschallung für unwissende Touristen und starrköpfige Traditionalisten. Von der überlieferten Musik der osteuropäischen Juden übernehmen sie aber immerhin manchen melancholischen Moment und eine gewisse anarchische Grundeinstellung.

So geht dies und das und noch ein bisschen mehr zusammen, wenn nur der Rhythmus so abgeht, dass jeder mitgeht. Wenn also Dalida klingt, als würde eine Beduinen-Band versuchen, Metal zu spielen, oder Weijl, als probierte sich eine ungelenke Punkband am Arabesk-Pop, dann spricht daraus auch immer die Hoffnung, in der Musik das vorzuleben, was im echten Leben nicht so harmonisch und voller Toleranz vonstatten geht.

Denn im Niemandsland zwischen Tradition und Moderne übersteht nur die Musik solche Zerreißproben und weiß es selbst. Wenn zum Abschluss des Albums das Tempo nachlässt, die Euphorie erlischt und der Rauch sich verzieht, wenn der traurige Love Song ertönt, dann scheint es, als ob nach einer rauschenden Party der Morgen graut und ein Blick aus dem Fenster nur den Krieg da draußen enthüllt.

Boom Pam: Boom Pam (Essay/Indigo)