Politiker sind Übertreibungskünstler: Je erfolgreicher sie sind, desto mehr reden sie einige Dinge besonders groß und andere sehr klein. Vielleicht ist der Zusammenhang auch umgekehrt, und nur derjenige hat dauerhaft Erfolg, der ordentlich übertreiben kann. Horst Seehofer jedenfalls ist, gemessen an seinen Ämtern und Wahlergebnissen, ein überaus erfolgreicher Politiker. Und er ist ein besonders schamloser Übertreiber.

Sein "Lebenstraum" sei in Erfüllung gegangen, seit er, der einmal Gesundheitsminister war, als Ressortchef für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz wieder mit am Kabinettstisch sitze, verriet Seehofer unlängst einem Reporter der Bunten . Im Kabinett sei er Teil eines "tollen Teams" und könne sich "als Teamplayer in alle Diskussionen einbringen". (Seehofer spricht hartnäckig von Playern statt von Spielern, es ist eine der wenigen globalen Managementvokabeln, die Eingang gefunden haben in die alltägliche Sprache des Bayern.) Schließlich: Im Vergleich zu Angela Merkel sehe er sich selbst nur als Betatier, denn: "Diese Frau hat Extraklasse."

"Lebenstraum", "Teamplayer", "Extraklasse" – fehlt nur noch, dass Horst Seehofer seinen bayerischen Amtskollegen Werner Schnappauf als exzellenten Krisenmanager empfiehlt. Aber so weit geht er dann doch nicht. Das Verhältnis zu Schnappauf, der im Freistaat zuständig ist für den Verbraucherschutz, sei "rational und deswegen nicht immer einfach", räumt Seehofer ein. Und das ist nun endlich einmal keine Übertreibung.

Denn seit vor drei Wochen das erste vergammelte Dönerfleisch in den Kühlregalen eines Münchner Fleischhändlers entdeckt wurden, haben sich die beiden CSU-Minister in eine bemerkenswerte Rauferei verbissen. Seehofer gegen Schnappauf – das ist ein Revierkampf unter Parteifreunden, in dem es um Verantwortung geht, um Kompetenzen und natürlich auch um Karrieren.

Seinen vorläufigen Höhepunkt fand diese Auseinandersetzung am vergangenen Freitag, morgens früh um 7.30 Uhr im Raum 4.900 des Paul-Löbe-Hauses in Berlin. Es tagt der Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbaucherschutz des Deutschen Bundestags. Horst Seehofer wiederholt vor den Abgeordneten, was er in den vergangenen Tagen immer wieder beklagt hatte: dass die Qualität der Fleischkontrollen oft mangelhaft sei, dass im Kampf gegen die globale Fleischmafia bundesweit einheitliche Standards gelten müssten, dass sein Ministerium zwar "seit Monaten" auf solche Standards dränge, dass er selbst aber nur wenig machen könne, weil die Kontrolle der Lebensmittel in Deutschland nun mal Ländersache sei. "Ich bin nicht bereit, für etwas politisch den Kopf hinzuhalten, für das ich gar nicht zuständig bin."