Dreizehn Jahre lang war die Schachwelt geteilt, mindestens zwei "Weltmeister" nebeneinander erhoben Anspruch auf den Titel, seit Garri Kasparow und sein damaliger englischer Herausforderer Nigel Short ihren WMKampf 1993 außerhalb des Weltschachbunds Fide austrugen. Zwischenzeitig war ein geradezu kakofones Konzert zu hören. Kasparow, Karpow, Kramnik, weiter der jeweils schnell wieder in der Versenkung verschwindende so genannte Fide-Weltmeister, im Hintergrund sogar der unvermeidliche, immer mehr seelischen Abgründen entgegentaumelnde Bobby Fischer – jeder meinte ein Anrecht auf den einen, einzigen und unteilbaren Thron zu haben.

Nun könnte dieser unselige Zustand überwunden werden: Vom 23. September bis 13. Oktober kommt es in Elista, der Hauptstadt der russischen Republik Kalmückien und Wohnsitz des kalmückischen und Fide-Präsidenten Kirsan Iljumschinow in Personalunion, zum Wiedervereinigungsmatch.

Der Russe Wladimir Kramnik, der überzeugend und ohne Niederlage Kasparow den Titel entriss, und der Bulgare Veselin Topalov, die Nummer eins der Weltrangliste, werden in zwölf Partien um den Titel kämpfen. Beide 30 Jahre alt, also im besten Schachalter. Der "Künstler" Kramnik ("Wenn die Hand den nächsten Zug macht, ohne dass ich dabei denke, dann ist das ein großartiges Gefühl") gegen den "Kämpfer" Topalov, der mit nie nachlassender Energie und riskanter Opferfreude in einem Höhenflug seit zwei Jahren die Schachwelt begeistert: Wir können uns darauf freuen!

Wobei beiden selbst bei Schnellschachpartien und "blind" herrliche Kombinationen gelingen.

Mit welchem subtilen Zug gewann Wladimir Kramnik als Weißer 1998 in Monaco gegen Veselin Topalov entscheidend Material?