Baltrum

Ist das möglich, ein Wahlkampf als konspirative Veranstaltung? Es ist möglich. Auf der ostfriesischen Insel Baltrum kann man es derzeit erleben wenn man sehr aufmerksam ist. Denn die Insulaner verbergen ihre politischen Aktivitäten mit großem Geschick. Und wenn nach der Stichwahl in zehn Tagen der neue Bürgermeister feststeht, werden die Einheimischen zwar ziemlich genau wissen, wer von ihnen für welchen Kandidaten gestimmt hat. Die Fremden aber, und von ihnen gibt es auf Baltrum nicht wenige, werden nicht einmal bemerkt haben, dass überhaupt eine Wahl stattgefunden hat.

Baltrum ist klein, aber eigenständig. 450 Insulaner wählen ihren hauptamtlichen Bürgermeister und acht Gemeinderatsabgeordnete.

Wahlplakate benötigen sie dazu nicht, niemand will die Touristen verschrecken. So sind in den Hinweiskästen zwar Termine für Wattwanderungen, Überfahrten und Auftritte des Baltrumer Inseltheaters angeschlagen. Der Höhepunkt des Wahlkampfs aber, eine Podiumsdiskussion im Strandhotel, taucht in keinem Veranstaltungskalender auf. Die Insulaner werden diskret informiert über ihre Postfächer. Kein Kandidat wartet vor dem Supermarkt an der Ecke unter einem Sonnenschirm darauf, die Prospekte und Gratiskulis auf seinem Campingtisch loszuwerden. Wir brauchen so was nicht, sagt der noch amtierende Bürgermeister Günter Tjards. Hier kennt jeder jeden. Das reicht.

Gewählt werden im Prinzip auch die Abgeordneten des Kreistags.

Allerdings muss kein Baltrumer befürchten, dass es ihn in dieses Gremium verschlägt, denn selbst alle Stimmen der Inselbewohner reichen zusammen nicht für ein Mandat. Was es bedeutet, als Insulaner in den Kreistag einzuziehen, davon können die Inselnachbarn berichten.

Kreistagsabgeordneten von Juist kann es passieren, dass sie für einen Sitzungstermin zweimal auf dem Festland übernachten müssen. Je nach Tide.