Das waren noch Zeiten, als Kunst und Architektur auch dazu dienten, dem Auge zu gefallen und der Seele gut zu tun. Heutzutage gilt oft nur, was hässlich ist, Sheffield zum Beispiel. Die ehemalige Stahlstadt ist zur postindustriellen Brache verkommen, von der Welt vergessen und von Städteplanern verstümmelt. Aber ausgerechnet Sheffield darf Großbritannien nun auf der Architektur-Biennale in Venedig vertreten. Vor großem Publikum will sich die Stadt in ihrer ganzen Hässlichkeit präsentieren und damit die Wirtschaft ankurbeln.

Tourismus! Kunst! Kneipen! Auf einer trostlosen urbanen Bühne soll eine ausgeflippte Künstlerszene gedeihen, die soll Besucher anlocken, die in schicken Hotels wohnen und viel Geld in Nachtclubs ausgeben.

Ach ja, Tourismus für Berlin klingt das vertraut. Was bleibt der deutschen Hauptstadt auch sonst? Jetzt kommen sogar Plüschtiere an die Spree, Teddys, Elche, Hasen und andere Vierbeiner. Die putzigen Touristen werden von Menschen auf die Reise geschickt, die selbst nicht reisen wollen. Im Fahrradanhänger klappern sie unter Führung eines kundigen Reiseleiters die Sehenswürdigkeiten ab, das Ganze wird mit Schnappschüssen dokumentiert, und dann geht es per Post wieder nach Hause. Vielleicht sollte sich Sheffield an Berlin ein Beispiel nehmen. Aber Deutschlands Kapitale ist ja auch nicht auf der Biennale.