Gerade was den Nahen Osten betrifft, scheint es mir wichtig, mit gründlichen Hintergrundinformationen versorgt zu werden. Die Details Ihres Artikels sind in dem Zusammenhang bedeutsam.

2001/2002, als die zweite Intifada begann, konnte ich selber erfahren, welche Diskrepanz zwischen den hiesigen Medienberichten und der vielschichtigen israelischen Wirklichkeit besteht. Ich arbeitete als Zivildienstleistender in einem Tel Aviver Altenheim. Besonders das Fernsehen ist mit seiner Bilderflut prädisponiert für vorschnelle Meinungsmache. Die Haltung, Israel führe den Kampf ungerechtfertigt entgegen den Menschenrechten, wurde vielfach unterschwellig propagiert und von manchen offen vertreten. Vielleicht auch deshalb, weil man gewillt ist, die Last der Deutschen Geschichte auf andere Schauplätze zu verschieben?

Ich habe gelernt, dass es besser ist, Tatsachen anzuschauen und viele irrationale Momente des Nah-Ost-Konfliktes nicht sofort zu beurteilen.

Benedikt Vannahme, München

Bernd Ulrich unterstreicht einmal mehr, dass das Argument Wir können uns nicht verweigern nicht mehr ausreicht, um Bundeswehreinsätze zu begründen. Dazu gehört auch eine nüchterne Betrachtung der Chancen und Risiken militärischer Interventionen.

Deutschland betreibt mit dem Einsatz der Marine vor der libanesischen Küste Risikominimierung für die eigenen Soldaten. Grundsätzlich wird aber über Sinn und Ziel der aufgestockten Unifil-Truppe nicht diskutiert. Zweifel sind angebracht, ob der Blauhelm-Einsatz die Gefährdung Israels durch die Hisbollah vermindert oder ob der libanesische Staat und seine Regierung gestärkt werden.

Was wird geschehen, wenn die Hisbollah den Waffenstillstand für eine erneute Aufrüstung nutzt? Wird nicht die strategische Situation des Irans gestärkt, sein Druck- und Drohpotenzial erhöht, die Hisbollah nicht nur gegen Israel loszulassen, sondern bei einer weiteren Eskalation auch noch UN-Truppen zur Geisel zu nehmen?