Miltenberg

Sicher ist, dass am 22. Juli mittags die Glocken von St. Jakobus am Markt von Miltenberg im Unterfränkischen 20 Minuten lang geläutet haben. Warum sie das taten, das versucht gegenwärtig die Kriminalpolizei herauszufinden. Ulrich Boom, der Pfarrer der katholischen Kirche, könnte zur Aufklärung wohl beitragen. Aber er schweigt denn die Ermittlungen könnten eine Anklage nach sich ziehen.

Pfarrer Boom ist 58 Jahre alt, ein drahtiger Mann, den manche hier mit Don Camillo vergleichen, der mit Gottes Beistand gewieft gegen seine irdischen Widersacher zu Felde zog. Pfarrer Booms Widersacher sind Rechtsextremisten. Die NPD hat ihn angezeigt, nachdem eine Demonstration ihrer Jugendorganisation, der Jungen Nationaldemokraten, im Glockengeläut untergegangen war.

Die NPD ist eine legale Partei - ihre Mitglieder haben das Recht der Versammlungsfreiheit auf ihrer Seite. Das kann einem persönlich mehr oder weniger gefallen. Es ist so, sagt Oberstaatsanwalt Ernst Wich-Knoten. Findet sich ein Beweis, dass Pfarrer Boom die Demonstration verhindern wollte, droht ihm eine Geldstrafe oder gar Gefängnis bis zu drei Jahren.

Andererseits gilt auch für einen Geistlichen bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung. Er wird schon Gründe gehabt haben, wieso er zum Gebet gerufen hat, sagt ein Sprecher des zuständigen Bistums Würzburg.

Unterdessen hat Boom sich Hermann Leeb als Anwalt genommen. Der war mal Bayerns Justizminister und sagt, warum gottgefälliger Lärm keine Straftat sei. Es gibt zum Beispiel Friedensglocken und Protestgeläut. Nun wartet Miltenberg auf Ermittlungsergebnisse. Der Bürgermeister ist sicher: Ein Pfarrer muss nicht fragen, wann er läuten darf.