Seit August vergangenen Jahres führt Jürgen Ballnow akkurat Tagebuch über seine neue Gasheizung mit Solaranlage. Täglich notiert er den Verbrauch. Obwohl die Ballnows kochen, waschen, duschen im Sommer bleiben die Seiten weiß. Das Warmwasser liefert die Sonne, genauer, liefern acht Quadratmeter Kollektoren. Im Winter schaltet sich ein Gas-Brennwertkessel mit minimalem Verbrauch dazu. Ich habe die Heizkosten um mehr als 50 Prozent gesenkt, erzählt der 55-Jährige.

Ballnows sind Trendsetter. Denn noch heizt fast jeder Haushalt mit fossilen Brennstoffen Sonne, Holz oder Erdwärme haben nur einen Anteil von 5,4 Prozent am Wärmemarkt. Das soll sich ändern: Bis 2020 peilt die Bundesregierung einen Wert von zwölf Prozent an.

Vorbild der Bemühungen von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus dem Stromsektor. Es garantiert jedem, der Ökostrom ins Netz einspeist, eine lukrative Vergütung pro Kilowattstunde. Derweil ist der Wärmesektor ins Hintertreffen geraten. Dabei lohnt sich die Nutzung regenerativer Energien gerade hier. Beispiel Solarenergie: Ein Kollektor erhitzt mit Hilfe von Sonne und schwarzer Oberfläche Wasser fürs Heizen und Waschen und spart bei gleicher Fläche doppelt so viel Kohlendioxid ein wie eine Solarzelle, die Strom erzeugt.

Trotz solcher Vorteile und trotz der hohen Gas- und Ölpreise nutzt von den 700000 Öfen, die jährlich neu installiert werden, nur jeder zehnte regenerative Energien. Um der Preisspirale zu entkommen, suchen indes immer mehr Bürger nach Alternativen: Seit Januar haben schon mehr als 100000 Bürger einen Förderantrag für Solarkollektoren oder Holzpelletkessel gestellt so viel wie noch nie. Doch die Mittel des Marktanreizprogramms für Erneuerbare Energien (MAP) sind so knapp, dass das Programm diesen Sommer ersatzlos gestrichen werden musste.

Solarthermie ist Experten zufolge schon heute wettbewerbsfähig. Doch Gabriel geht die Entwicklung zu langsam voran und die begrenzten Fördermittel reichen für die gewünschte Beschleunigung nicht aus. Um das Ziel schneller zu erreichen, werden zwei Modelle diskutiert:

Modell 1 ist die Nutzungsverpflichtung. Jeder Heizungsbetreiber hätte danach mindestens zehn Prozent seiner Wärme mit erneuerbaren Energien zu erzeugen. Wer das Ziel verfehlte, müsste eine Abgabe zahlen. Die Probleme dabei: Nicht alle Häuser eignen sich für die Nutzung sämtlicher regenerativer Energien. Obendrein bestünde jenseits der Quote kein Anreiz, umweltverträglich zu heizen.

Modell 2 ist das Bonusmodell. Gedanklich ist es an das im Stromsektor erfolgreiche EEG angelehnt. Doch der Wärmemarkt ist anders als der Strommarkt: Wärme wird nur selten in ein Leitungsnetz eingespeist, Einspeisetarife sind daher unmöglich. Deshalb liebäugelt Gabriel damit, jedem Produzenten von Ökowärme eine Vergütung pro Kilowattstunde zu zahlen. Das Geld dafür soll bei den Öl- und Gaslieferanten einkassiert werden. Pro Liter Heizöl kostete das nach Berechnungen des Umweltministeriums 0,65 Cent.