Ich bin überwältigt von der Solidarität, sagt die Berliner Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates. Sie wird nun doch, vermutlich zum Jahreswechsel, ihre Anwaltstätigkeit fortsetzen. Im August hatte Ates ihre Anwaltszulassung zurückgegeben (ZEIT Nr. 37/06), nachdem sie und ihre Mandantinnen wiederholt bedroht und angegriffen worden waren.

Ates hatte seit zehn Jahren viele türkische und kurdische Frauen in Scheidungs- und Sorgerechtsfällen und bei häuslicher Gewalt vor Gericht vertreten. Die Ankündigung ihres Rückzuges löste eine bundesweite Debatte aus: Ist es lebensgefährlich, sich in Deutschland für die Rechte muslimischer Frauen einzusetzen? Die Vorsitzende des Deutschen Juristinnenbundes, Jutta Wagner, sucht jetzt zusammen mit dem Berliner Anwaltsverein nach einer Kanzlei, die Ates aufnehmen soll. Von der Berliner Polizei will man eine Zusicherung erreichen, dass Ates Personenschutz bei gefährlichen Terminen bekommt. (Zurzeit wird Ates rund um die Uhr bewacht.) Ein Unterstützernetzwerk von Berliner Anwälten will auf Wunsch Begleitungen für sie organisieren.

Jutta Wagner ist zuversichtlich, bald eine Lösung zu finden. Es gebe bereits mehrere interessierte Sozietäten. Allerdings hat Frau Wagner auch Post von mehreren Kolleginnen erhalten, die ebenso bedroht werden wie Seyran Ates.