DIE ZEIT: Herr Dorfer, in Ihren Programmen schleudern Sie häufig Pointen gegen Alexander Van der Bellen…

Alexander Van der Bellen: Genau, ich bin ja so fad.

Alfred Dorfer: Fad? Also, diese "Prinz Valium"-Pointe im derzeitigen Programm lasse ich an einer Stelle los, an der ich einen von der ÖVP gesponserten Kabarettisten spiele. Was ich aber versuche aufzuzeigen, ist das öffentliche Erscheinungsbild der Grünen. Da gibt es den Herrn Van der Bellen, der eben der beliebteste Nichtpolitiker in der Politik ist, vor allem weil er sich nicht wie ein Politiker geriert. Aber wenn man nach einem harten Arbeitstag eine TV-Diskussion mit Ihnen sieht, bleibt man mittlerweile auch nicht mehr dran.

Van der Bellen: Statistisch gesehen stimmt das nicht. Wir haben uns die Kurve bei den Sommergesprächen angesehen. Die ist sogar leicht angestiegen. Wäre das Dorfer-Phänomen allgemein, müsste sie runtergehen.

Dorfer:Die Grünen sind für viele Menschen eine Projektionsfläche für deren Hoffnungen und Wünsche geworden, weil sie von Regierungsarbeit unbefleckt sind. Wie es ist, wenn die anderen regieren, weiß man. Man weiß aber nicht, was von den Grünen mit dieser schon seit Hainburg aufgestauten "Pfu, aber wir dann…"-Haltung letztlich bewegt werden wird. Ich habe die ernsthafte Befürchtung, Sie werden viele Erwartungen enttäuschen. Besonders in der Kombination mit der ÖVP – denn mit dem Alfred Gusenbauer, glaube ich, sind Sie ja persönlich nicht so gut…

Van der Bellen: Oh ja, mit ihm schon. Es ist nur die Frage, was die SPÖ macht.

Dorfer: Ich glaube, die Erwartungen sind so hoch, dass es die Grünen besonders bei einem Zusammengehen mit der ÖVP zerreißen könnte.