Zu den Lieblingen der Weltpolitik zählt Jacques Chirac nicht. Es kommt vor, dass seine machtbewussten Äußerungen französischen Selbstbewusstseins alle anderen reichlich nerven. Nun hat er wieder einmal verschärftes Stirnrunzeln erzeugt, indem er kundgab, die Atomverhandlungen mit Teheran setzten nicht voraus, dass zuvor die Anreicherung von Uran eingestellt würde.

Nanu? War das nicht die verbindliche Forderung des UN-Sicherheitsrates gewesen? Unter Diplomaten wird kopfschüttelnd bedeutet, das iranische Regime sauge derartige Äußerungen förmlich ein, denn es spiele auf Zeit. Um der Bombe näher zu kommen, vielleicht. Um seine regionale Macht auszubauen, vermutlich. Um den Preis einer Übereinkunft in die Höhe zu treiben, gewisslich.

Allerdings hatten die USA und Europa bereits Raum für Gespräche ohne Vorbedingungen geschaffen, die zwischen Javier Solana und dem Teheraner Unterhändler Ali Laridschani geführt werden und einer nächsten Runde im Sicherheitsrat vorgeschaltet sind. Chirac, der seinen Talleyrand studiert hat, scheint diese heikle Zwischenphase stabilisieren zu wollen. Nicht übel. Denn sollten Solana und Laridschani darin übereinkommen, Sanktionen und Anreicherung vorerst zu suspendieren, dann könnten auch die USA in die Verhandlungen eintreten, und niemand hätte das Gesicht verloren.

Sollte, würde, hätte. Diplomatie ist das Ausloten von Möglichkeiten. Leider ist es auch eine Möglichkeit, dass Laridschanis Mandat nur Erklärungen, nicht aber Zusicherungen umfasst. Aber das muss eben ausprobiert werden.

Über internationale Themen informieren Sie sich hier