Nächsten Montag bricht der EU-Treck wieder auf und zieht gen Straßburg. Parlamentarier und Eurokraten, Lobbyisten und Journalisten treibt die Pflicht turnusgemäß einmal im Monat für gut dreieinhalb Sitzungstage des Europäischen Parlaments (EP) in die elsässische Metropole. Geschätzte Kosten für den Steuerzahler: 200 bis 250 Millionen Euro. Nicht gerechnet die Nerven und die aufwändige Reise- und Wartezeit für die Beteiligten. In dieser Woche meldete nun die Web-Seite www.oneseat.eu, eine Initiative von straßburgmüden EU-Parlamentariern, genau 1005452 Unterschriften von Bürgern, die sich gegen den Wanderzirkus und für einen festen EP-Sitz in Brüssel aussprechen. Einwände sind jetzt auch aus der EU-Kommission zu hören.

Ihre Vizepräsidentin Margot Wallström warnte, die praktischen Probleme mit zwei Parlamentssitzen würden den symbolischen Wert überschatten, und ihr britischer Kollege Peter Mandelson murmelte etwas von Zirkus und unakzeptabel. Da muss eigentlich nur noch einer überzeugt werden: Jacques Chirac. Der französische Staatspräsident freilich wertet jeden Angriff auf Straßburg als einen Feldzug gegen Frankreich. Und solange der Präsident non sagt und die Regierungschefs über den EP-Sitz einstimmig beschließen müssen, richtet auch eine Million Unterschriften nichts aus.