Beim Siemens-Konzern wurden schon viele Traditionen geschleift unter anderem die einer fast lebenslangen Job-Garantie. An einem Ritual hält das Unternehmen allerdings fest: Alle drei Jahre überprüft das Präsidium des Aufsichtsrats das Salär des Vorstands. Jetzt war es wieder so weit. Im Vergleich zu anderen Dax-Konzernen lägen die Einkommen von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld (zuletzt 3,3 Millionen Euro) und seinen Kollegen arg niedrig, befand Aufsichtsratschef Heinrich v. Pierer aus dieser Perspektive korrekt. Also beschloss das dreiköpfige Präsidium für kommendes Jahr eine Aufstockung 30 Prozent sind drin.

Zeitgleich zur angekündigten Gehaltserhöhung begibt es sich, dass in manchen Winkeln des schwer überschaubaren Siemens-Reichs einige tausend Mitarbeiter zum Lohnverzicht gedrängt werden, weil dort die Geschäfte mies laufen. Da ist diese Botschaft schlecht vermittelbar.

Zumal wenn durchsickert, dass Vorstände bei Wohnimmobilien und Umzugskosten vom Konzern äußerst großzügig behandelt wurden.

Vielleicht weiß v. Pierer ja schon, dass das Ergebnis des Konzerns mit seinen 460000 Mitarbeitern für das Ende September endende Geschäftsjahr insgesamt sehr positiv ausfällt. Und vielleicht schafft es Kleinfeld ja auch wie versprochen , bis zum kommenden Frühjahr alle großen Siemens-Sparten auf seine ehrgeizigen Renditemargen zu trimmen. Dann hätte er gute Argumente, eine Belohnung einzufordern.

Doch so wirkt der Gehaltssprung einfach nur dreist.

Einkommensmillionären in Vorstandsetagen kann man schon mal etwas Geduld abverlangen.