Was wären die Medien ohne die Medien? Wir wissen es nicht genau, aber jedenfalls wären sie nicht die dicken Blätter, die unsere Briefkästen verstopfen. Sie ähnelten wahrscheinlich eher den zerlumpten Gestalten, die an U-Bahnhöfen um eine Stulle betteln. Die Schöpfung hat es nun einmal so eingerichtet, dass Journalisten ganz am Ende der Nahrungskette stehen, das heißt, sie können sich nicht von der Wirklichkeit, sondern nur kannibalistisch ernähren. Sie gleichen zwar insofern den Krähen auf dem Felde, dass sie weder säen noch ernten, aber es ist nicht der Herrgott, der sie speiset, sondern es sind die lieben Kollegen. Deshalb darf man es auch nicht überbewerten, wenn die FAZ über die Welt schimpft, die ihrerseits über das Buch eines Enthüllungsreporters schimpft, der auf den Autor Michel Houellebecq schimpft, der seinerseits im Schimpfen ganz große Klasse, wenn nicht überhaupt der Maßstab ist.

Denn was uns als Schimpfen zwischen Autoren, Verlagen und Zeitungen erscheint, ist in Wahrheit nur die Entsprechung zu den Essgeräuschen, die unbescholtene Bürger beim Verzehr einer warmen Mahlzeit von sich geben. Aber lassen Sie uns die mediale Nahrungskette im Detail betrachten: Houellebecq hat, wie viele mildtätige Kollegen vor ihm (denken Sie an Joseph Roth oder Stephan Hermlin), seine Biografie etwas aufgefüttert, um der investigativen Zunft ein Leckerli zu hinterlassen. Es dauerte ein Weilchen, aber dann fand ein Herr Denis Demonpion die Stulle und begann sogleich ein Buch zu schreiben beziehungsweise den Aufstrich zu analysieren: H. ist nicht 1958 geboren, sondern 1956, seine Mutter ist nicht tot, sondern lebt, er heißt auch nicht Houellebecq, sondern Thomas. Großes Flügelschlagen!

Die Welt , in einigem Abstand über dem Butterbrötchen kreisend, stieß aus den Lüften herab und rief: »Wo ist der Skandal? Es gibt keinen Skandal. Die Stulle ist trocken!« Damit war der Augenblick für den gewaltigen Kondor namens FAZ gekommen, der schon auf einem trockenen Ästchen abseits gewartet hatte. »Skandal«, krächzte er, »ich höre immer Skandal, heißt das, die Welt will einen Skandal machen? Das kommt ihr nicht zu! Der Skandal gehört mir!« Und während so die großen Tiere um den kleinen Kadaver stritten, kam plötzlich ein kleiner listiger Schakal um die Ecke und schnappte sich das beste Stück. Und überreicht es Ihnen, lieber Leser! Und wollen Sie wissen, wer dieser Schakal ist? Hihi! Er heißt Finis