Der Ort, an dem das dreijährige Mädchen starb, erweist sich als Glücksfall für die Wissenschaft: Fast strömungsfrei ergoss sich dort ein Fluss in einen See. Der tote Körper wurde langsam im Sediment begraben.

3,3 Millionen Jahre später werden die fossilen Überreste des Wesens in Dikika, Äthiopien, entdeckt. Tausende Stunden verbringen die Forscher damit, sie aus dem Sandstein zu bergen. In dieser Woche präsentiert das Team um Zeresenay Alemseged vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig seinen Fund in Nature (Bd. 443, S. 278). Bei dem fast vollständigen Skelett handelt es sich um einen Australopithecus afarensis wie jenes berühmte Fossil namens Lucy, das 1974 in Äthiopien entdeckt wurde.

Bislang sahen die meisten Forscher A. afarensis aufrecht durch die Urzeit marschieren. Auch das jüngste Skelett lässt diesen Schluss zu.

Auffallend ist jedoch, dass nicht alle Knochen zum aufrechten Gang passen. Die Schulterblätter erinnern an einen Gorilla, und der einzige vollständig erhaltene Finger ist so stark gekrümmt wie der eines Schimpansen und dieser hangelt sich damit von Ast zu Ast.

Zudem fehlen dem Dikika-Mädchen gut ausgebaute Bogengänge im Innenohr, die Menschen helfen, das Gleichgewicht zu halten. Vermutlich gehörte die Hominidin zu jenen Ahnen, die den Gang auf zwei Beinen kultivierten in den Bäumen aber noch immer zu Hause waren.