Dürften wir uns eine Band malen, sähe sie wie das Jungs-Quartett auf dem Cover der neuen Rapture-CD aus, in den Textmarker-Leuchtfarben Orange, Gelb, Türkis und Pink. Der erste tanzt in den Schlappen eines großen Sportartikelherstellers, der zweite balanciert auf einem Bein, der dritte absolviert den historischen RocknRoll-Spreizschritt, der vierte ironisiert die Inszenierung: Er hält sich ein Auge zu, mit dem Zweiten sieht man anders.

Drei Jahre hat sich die New Yorker Band The Rapture mit ihrem neuen Album Zeit gelassen und ist dabei der eigenen Geschichte geschickt entwischt. Pieces Of The People We Love, so der Titel des lang erwarteten Werks, wird Fans und Kritiker definitiv nicht mit dem Sound langweilen, der The Rapture 2002/2003 zu den Wappentieren der jüngeren New Yorker Partyszene machte. Die Rapture-Single House Of Jealous Lovers avancierte damals zur Nachtmusik des kulturellen Prekariats in den Metropolen der Welt. Seitdem kursieren ein halbes Dutzend Bindestrich-Wörter für das manische Klanggemisch mit dem Kuhglockengebimmel: von Disco-Punk bis Rock-Dance.

Dass dieser Sound eine Erfindung des Produzentenduos DFA war, haben The Rapture nicht vergessen. Also lösten sie sich von den übermächtigen Sound-Ingenieuren und bestellten den Britrock-Designer Paul Epworth und dessen Kollegen Ewan Pearson (Remixer für Depeche Mode) ins Studio. Darüber hinaus tragen zwei Tracks die Handschrift von Danger Mouse, dem Weltstar der Download Community. Das, hat der Rapture-Bassist Mattie Safer einem deutschen Musikmagazin anvertraut, seien dann die Dinge, die dafür sorgen, dass auch deine kleine Schwester auf die Musik anspringt.

Die meisten Rapture-Songs von 2006 machen immer noch eine gute Figur auf dem Tanzboden, lassen aber nicht mehr jenen Subtext erkennen, der das Vorläufer-Album Echoes bestimmte die Befreiung und Selbstbestimmung im Akt des Tanzes. Pieces Of The People We Love ist eine schillernde Patchwork-Arbeit geworden, die sich den Errungenschaften britischer Popmusik annähert von den dumpfen Beats der Gary-Glitter-Ära bis zu Rave-Anleihen und dem gut geföhnten Partysound der Stereo MCs in den Neunzigern. Mit dem Abstand zu ihren New Yorker Wurzeln haben The Rapture auch die Formel für die globale Popsprache gefunden: Whoo! Alright yeah uh huh. Und wenn die Stimme des Gitarristen Luke Jenner in die Höhe schießt, ist kaum mehr als der Beginn des Eröffnungssongs zu verstehen: High-igh-igh-igh high as the sky / low low as it goes / purple dragons fly in your eyes. Was immer das heißen mag, bei Jenner ist es ein weiterer Zitronenspritzer im moussierenden Ganzen.

Das Cover-Foto ist wahrscheinlich genauso Ergebnis einer Abstimmung mit Füßen wie die Musik. 30 neue Songs hatten The Rapture in die engere Wahl gezogen, in Test-Konzerten gespielt und sodann die Publikumsreaktionen notiert. Von den zehn Live-Favoriten singen Jenner und Safer jetzt jeweils fünf auf dem Album. Gabriel Andruzzi, der Saxofonist, darf Keyboards spielen. Alles für das Gemeinwohl, entschieden im Gruppenprozess, so hört man. Das ist Demokratie, langweilig wird sie nie. Sang schon Andreas Dorau 1988.

The Rapture: Pieces Of The People We Love

(Universal)