Für die Heutigen ist er kaum noch ein Name, vor einem halben Jahrhundert war Thilo Koch eine Legende: der Großmeister des Journalismus in den frühen Jahren der Bundesrepublik, ein Mann der Feder, des Funks, des Fernsehens. Viele Jahre lang schnitzte er auch am Profil der ZEIT mit, erst als Berliner Korrespondent, dann in Washington, schließlich, nachdem er sich am Albtrauf im Schwäbischen zur Ruhe gesetzt hatte, als Verfasser der Briefe aus Krähwinkel. Früh trat er beherzt dafür ein, gegen das SED-Regime in die Offensive zu gehen, statt westlicherseits einen Eisernen Vorhang hinunterzulassen: Steht es so schwach um unsere Argumente, dass wir das öffentliche Freistilringen mit den rabulistischen Dialektikern des Volksbetrugs scheuen müssen? Das Thema Deutschland und Berlin ließ ihn in den Jahren der Berlin-Krise 1958 bis 1961, des Mauerbaus und der Kuba-Krise 1962 auch am Potomac nicht los. Als 70-Jähriger durfte er an seinem Alterssitz die Wiedervereinigung erleben. Er liebte sein Vaterland, obwohl er dessen Abgründe kannte, und war zugleich Europäer und Weltbürger. Den Älteren klingt seine sonore Stimme bis heute in den Ohren, der Berliner Singsang, in dem er seine Rundfunkkommentare sprach oder den von ihm erfundenen Weltspiegel moderierte. Allen gab diese Stimme damals Zuversicht. Sie machte Mut selbst in dem düsteren Moment, als der ermordete John F. Kennedy, auf einer Lafette, von sechs Grauschimmeln gezogen, vom Weißen Haus die Pennsylvania Avenue zum Kapitol hinaufgefahren wurde. Vorige Woche ist Thilo Koch, kurz vor seinem 85. Geburtstag, im baden-württembergischen Hausen ob Verena gestorben. Vielen deutschen Journalisten war er ein unerreichtes Vorbild.