Es klickt, zischt und blubbert eine Stimme haucht ein wohliges Aaaah ins Mikrofon, dann verkündet eine Frau: Endlich! Can open präsentiert die Charts. Soll heißen: Die Dose, englisch can, ist zurück. Zumindest in den Werbespots bei MTV und Viva. Dosen sind cool, jung, erfrischend mit dieser Botschaft wollen Weißblech- und Getränkehersteller den deutschen Markt zurückerobern.

Dazu haben sich die drei großen europäischen Büchsenmacher Ball Packaging, Rexam und Crown zusammengeschlossen. Auf der Homepage der Beverage Can Makers Europe (BCME) bieten sie ihren jungen Kunden das zischende Geräusch beim Öffnen einer Dose als Klingelton fürs Handy an. Sie kleben Plakatwände voll und feiern das Weißblech in den Szenekneipen von Berlin bis München.

Es ist ein verzweifeltes Aufbäumen gegen die Krise: Noch im Jahr 2002 liefen die Geschäfte in Deutschland glänzend, 7,2 Milliarden Dosen wurden produziert. Dann kam das Einwegpfand und mit ihm der Absatzeinbruch. Nur noch 2,7 Milliarden Stück füllten Brauereien und Soft-Drink-Hersteller im vergangenen Jahr ab und die meisten davon wurden ins pfandfreie Ausland exportiert.

Dass die Branche nun wieder von der Wende zum Besseren träumt, hat vor allem einen Grund: Das Rückgabesystem für die Einwegverpackungen wurde nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes neu geregelt.

Seit Mai müssen die Kunden ihr Leergut nicht mehr dort zurückgeben, wo sie es gekauft haben. Die so genannten Insellösungen einzelner Handelsketten wurden im Frühjahr abgeschafft, die Fußballweltmeisterschaft stand bevor und ebenso ein warmer, trockener Sommer. Die Rückkehr der Dose ist so sicher wie das Amen in der Kirche, frohlockte damals Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels. Heute ist er allerdings deutlich zurückhaltender: In der Kirche wisse man wenigstens, wann das Amen kommt.

In der Tat lässt das Comeback der Dose auf sich warten. Bei Radeberger, der größten Brauereigruppe in Deutschland, ist die Bilanz ernüchternd trotz des heißen Julis. Die Fußball-WM hat zu keinem zusätzlichen Push geführt, sagt Ulrich Kallmeyer, der Chef der Oetker-Brausparte. Von heute auf morgen seien alle Abfüllanlagen für Dosenbier einsatzbereit, sollte der Bedarf ansteigen. Die derzeitige Nachfrage lässt aber vermuten, dass dies in absehbarer Zeit wohl nicht geschehen wird. Auch bei InBev (Becks, Diebels, Franziskaner), der Nummer zwei im deutschen Markt, war die Auslastung der Abfüllanlagen schon besser. Viele Dosen werden in der Gruppe fürs Auslandsgeschäft mit Bier gefüllt.

Die Einschätzung der Brauer dürfte den Dosenherstellern kaum gefallen, denn beim Bier entscheidet sich das Schicksal der Büchse, da sind sich Branchenexperten einig. Der Bierkonsum hat im Sommer ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht. Bis zu 2,2 Milliarden Liter gingen früher jährlich in entsprechend vielen Blechbüchsen der BCME über den Ladentisch. Seit die Kunden 25 Cent Pfand auslegen müssen, ist diese Menge auf ein Viertel geschrumpft. Ball Packaging Europe verbreitet trotzdem Optimismus. Wir wagen keine genaue Prognose, aber das neue Rücknahmesystem ist gut gestartet, und unsere Werke in Europa sind derzeit voll ausgelastet, weil die Nachfrage in allen Märken kontinuierlich wächst, sagt John A. Hayes, Vorsitzender der Geschäftsführung..