Maria Blettner liest sonst nicht die Bild-Zeitung. Am Dienstag vergangener Woche jedoch studierte die Mainzer Epidemiologie-Professorin das volkstümliche Blatt genau. Denn sie stand selbst drin. Auf der Titelseite, neben den baren Brüsten von Keeley, berichtete Bild von Blettners Vortrag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Überschrift: Amtlich! Handys für Menschen ungefährlich.

Schön wärs, es trifft aber in keiner Hinsicht zu. Weder ist Blettner eine Amtsperson, noch hatte sie über Gesundheitsgefahren gesprochen.

Und eigentlich auch nicht über Handys, sondern über die Sendeantennen der Netze: Blettner hatte auf der Tagung in Leipzig eine bundesweite Umfrage vorgestellt, die das rein subjektive Gefühl der Beeinträchtigung durch solche Anlagen in der Bevölkerung untersuchte.

Ergebnis: Das Maß der Besorgnis hängt nicht davon ab, ob die Befragten nahe einer Sendestation wohnen. Mit der wirklichen Gefährdung hat das natürlich nichts zu tun.

Doch die Meldung zog bereits ihre Kreise. Auch bedächtigere Blätter gaben fälschlich Entwarnung in Sachen Handystrahlung. Vielleicht begann das Missverständnis schon bei Maria Blettner. Sie sei ungeübt im Umgang mit Medien, räumt sie ein und erinnert sich, gegenüber Journalisten in Leipzig eine internationale Studie erwähnt zu haben, die tatsächlich das Hirntumor-Risiko bei Handynutzern untersuchte mit widersprüchlichen Ergebnissen in verschiedenen Ländern. Allerdings wurde der deutsche Teil dieser älteren Studie schon im Januar vermeldet.

Die mediale Verwirrung zeigt immerhin, dass das Thema Handystrahlung einen Nerv trifft. Wovon das Hin und Her der Schlagzeilen ablenkt: Der Forschungsstand an sich ist schon verwirrend genug. Eine schwedische Großstudie fand Anfang 2006 ein deutlich erhöhtes Tumor-Risiko bei mobilen Vieltelefonierern. Fast gleichzeitig verneinte eine britische Studie einen solchen Zusammenhang.

Da ist es witzlos, bei jeder Studie wechselweise Warnung oder Entwarnung zu geben. Eine Krebsepidemie durch Antennen am Ohr ist wohl auszuschließen, aber Gewissheit über das Restrisiko wird erst mit der Zeit kommen. Unser Mobilfunkstandard GSM ist gerade mal zehn Jahre alt jung in der Zeitrechnung der Krebs-Epidemiologie.