Am kommenden Mittwoch wird im Berliner Schloss Charlottenburg die bunteste Gruppe von Würdenträgern, Funktionären und Intellektuellen zusammenkommen, die das Barockschloss der Hohenzollern in 300 Jahren gesehen hat. Am Mittag wird dort unter der Ägide des Bundesinnenministers die "Deutsche Islam-Konferenz" zusammentreten.

Noch eine dieser unverbindlichen Dialogveranstaltungen? Nein, im Schloss Charlottenburg soll nach Antworten auf eine Frage gesucht werden, die durch den Karikaturenstreit, die Kofferbomben-Anschläge und den Aufruhr um die Äußerungen des Papstes neue Dringlichkeit bekommen hat: Wie kann der Islam in Deutschland eingebürgert werden?

Wolfgang Schäubles Grundidee ist so einfach wie umstürzend. Jahrzehntelang hat die deutsche Politik immer nur über die Muslime geredet – und sie über die Medien mit Forderungen konfrontiert: Lernt Deutsch! Integriert euch! Distanziert euch vom Terrorismus! So richtig dies war: Die Islam-Konferenz will über die Appelle und Verlautbarungen hinaus. Es geht darum, gemeinsam zu erarbeiten, wie ein "deutscher Islam" aussehen könnte.

Gleich nach der Amtsübernahme ließ Schäuble Mitarbeiter aus dem Kirchenreferat in die wichtige Grundsatzabteilung versetzen. Deren Leiter, Schäubles Berater Markus Kerber, plant nun schon seit Monaten mit einem Stab von acht Mitarbeitern das heikle Vorhaben. Von einem "neuen Gesellschaftsvertrag" hat der Innenminister anfangs gesprochen. Jetzt ist bescheidener von einer "Übereinkunft" die Rede – aber das große Wort hat seine Berechtigung.