Freiburg

Durch die Fußball-WM in Deutschland sei viel positive Energie frei geworden, hatte Alexander Heisler noch im Juni freudig festgestellt und sich sogar einen Ball von Sepp Blatter signieren lassen. Heute ist er um die Erfahrung reicher, dass man auch an positiver Energie scheitern kann. Monatelang war Heisler auf Promotour, um für sein Herzensprojekt zu werben, das Freiburger Zeltmusikfestival (ZMF).

Vergeblich. Zwar lockten 50 Konzerte in drei Wochen 36000 zahlende Besucher auf das 40000 Quadratmeter große Gelände. Doch am Ende fehlten ein paar tausend Fans, die statt Fußball lieber Stars wie Nigel Kennedy und José Feliciano, BAP und Madness, Sascha und Al Jarreau sehen wollten. Ergebnis: ein Minus im sechsstelligen Bereich.

Dazu kamen nicht unerhebliche Altlasten. Am Freitag hat der Trägerverein Insolvenz angemeldet, ein Jahr vor dem 25-jährigen Jubiläum.

Schon als Medizinstudent hatte Alexander Heisler rund 400 Konzerte organisiert, bevor er sich 1983 von Roncalli-Chef Bernhard Paul einige Zelte auslieh, einen Tanzpavillon aus den Niederlanden zum inzwischen legendären Spiegelzelt umfunktionierte und das ZMF aus der Taufe hob.

Ein nicht zu knappes Maß an Selbstüberschätzung gehörte wohl von Anfang an dazu, um Weltstars in ein Zeltlager irgendwo in der Provinz zu locken, das im zuverlässig zu Festivalbeginn einsetzenden Regen regelmäßig im Schlamm versank. Doch mit Zähigkeit, Sendungsbewusstsein und vielen hundert ehrenamtlichen Helfern, für die das ZMF über das Kulturereignis hinaus zum Lebensgefühl wurde, schloss Heisler die sich Jahr für Jahr auftuende Finanzierungslücke. Diesmal allerdings muss er einsehen: Das Loch ist zu groß, um es stopfen zu können.

Das gilt zumindest für einen Musikenthusiasten wie Heisler. Eine kommerzielle Konzertagentur steht schon bereit, die Ernte 25-jähriger Aufbauarbeit einzufahren. Aber wird sich Heisler wirklich in seine Praxis für Allgemeinmedizin zurückziehen? Ich kann es nicht sagen, sagt er. Noch ist Hoffnung.