Alle Welt bestätigt heute, dass das Goethe-Institut seine Aufgabe bisher mit Bravour bewältigt habe. Das liegt auch an seiner Verfassung als gemeinnütziger Verein, der selbstständig und eigenverantwortlich im Rahmen eines Vertrages mit dem Auswärtigen Amt, seinem wichtigsten Geldgeber, handelt. Das Institut hat sich nie bloß als Durchführungsorganisation für in Auftrag gegebene Programme und Projekte verstanden, sondern die Eigenständigkeit von Kultur gewahrt.

Das muss auch so sein. Denn bei auswärtiger Kultur- und Bildungsarbeit, gerade wenn sie übergreifenden Zielen deutscher Außenpolitik dienen soll, muss das Paradox aller Kulturpolitik ausgehalten werden auch wenn es manchen schwer fällt: Nur wenn die Autonomie der Kultur respektiert wird, kann die Politik mit kulturellen Mitteln politische Ziele erreichen.

Willy Brandt bezeichnete die auswärtige Kulturpolitik als dritte Säule der Außenpolitik. Mit dieser Wertschätzung war nicht zuletzt die vom Goethe-Institut geleistete cultural diplomacy gemeint. Heute aber schwankt die Säule Goethe-Institut, weil sie immer neue Aufgaben übertragen bekam und gleichzeitig finanziell ausgehöhlt wurde. Mehr als zehn Jahre lang musste das Goethe-Institut jährlich reale Mittelkürzungen hinnehmen. Gleichzeitig brachten Fusionen mit Inter Nationes, dem Institut für Information über Deutschland, und mit der Verbindungsstelle für internationale Angelegenheiten des Deutschen Musikrates dem Goethe-Institut weitere Aufgaben.

Die außenpolitische Verantwortung Deutschlands nahm seit der Wiedervereinigung zu, das Budget des Goethe-Instituts ging zurück. Mit der Epochenwende 1989 und mit den Entwicklungen in der islamischen Welt wurden neue Engagements in Osteuropa, im Nahen und Mittleren Osten nahe gelegt. Das war auch verständlich. Wenn das Goethe-Institut aber gleichzeitig von 2001 bis 2006 um 16 Millionen auf 109 Millionen Euro heruntergespart wurde und eine Verschlankung und Flexibilisierung des gewachsenen Netzwerks politisch ausgeschlossen wird, besteht kein Spielraum, um den Herausforderungen aus neuen Schwerpunktregionen gerecht zu werden.

Dennoch tut das Goethe-Institut alles, um sich den Zielen anzunähern.

In den letzten Jahren hat es Personal abgebaut, das Programm ausgedünnt, die Einnahmen aus Sprachkursen beinahe verdoppelt und Kostensteigerungen aus eigener Kraft aufgefangen. Aber all diese Maßnahmen gleichen die drastische Kürzung der Bundeszuschüsse nicht aus. Es ist wenig sinnvoll, wenn einem großen Institut wie dem in Amsterdam pro Jahr nur 30000 Euro für Programmarbeit zur Verfügung stehen. Kreatives Sparen stößt da rasch an Grenzen.