Der 54-Jährige ist Betriebsrat beim Otto-Konzern in Hamburg. Als schwarzer Bauingenieur hatte Adekoyeni keinen Job bekommen, also begann er bei Otto als Lagerarbeiter. Heute wohnt er in einer einfachen Dreizimmerwohnung und ist neben seiner Arbeit ehrenamtlicher Richter am Hamburger Arbeitsgericht. Den Konzern überzeugte er davon, Deutschkurse für seine ausländischen Mitarbeiter anzubieten. Bei Otto arbeiten Beschäftigte aus 60 Nationen.

Wie viele Betriebsräte ausländischer Herkunft in deutschen Firmen wirken, hat niemand gezählt. Allein bei der IG Metall kommen 4000 aus dem Ausland, davon ist fast jeder Achte auch Betriebsratsvorsitzender. »Ohne die betriebliche Mitbestimmung wäre die Integration von Migranten im Betrieb deutlich schwieriger«, sagt der Soziologe Schmidt. Dass ThyssenKrupp – als eines unter inzwischen einigen Dutzend Unternehmen – eine Betriebsvereinbarung für die Gleichbehandlung von Ausländern besitzt, verdankt es den Betriebsräten und seinem Arbeitsdirektor. Und auch besondere Förderprogramme für Mitarbeiter mit fremdem Pass – etwa bei Ford, Fraport oder bei der Deutschen Bahn – kamen nicht zuletzt durch die Mitarbeit der Gewerkschaften zustande.

Längst haben manche deutsche Unternehmen begriffen, wie wertvoll Migranten für sie sein können, nicht nur als Arbeitskräfte in der Produktion, sondern auch im Umgang mit Kunden und Geschäftspartnern. Jian Gong, die als Studentin nach Deutschland kam, koordiniert in der Chemiefirma Degussa in Düsseldorf deren China-Projekte. »Wegen meiner Herkunft werde ich geschätzt und gebraucht«, sagt sie. Dogan Calmaz baut für E-Plus in Frankfurt eine Mobilfunksparte für die Türken in Deutschland auf – der 38-Jährige ist ein ausgebuffter Marketingprofi. »Ich bin angekommen«, sagt auch der Banker Anastasios Karantonas. »Ich denke in zwei Sprachen, trage zwei Kulturen in mir. Ich blicke über den Tellerrand hinaus, das macht mich für viele Arbeitgeber interessant.«

Karantonas’ Vater verdiente sein Geld als ungelernter Arbeiter in einer Fabrik. Sein Sohn studierte in Aachen und Coventry und bekam seinen ersten Job bei einem Schweizer Kreditinstitut in Amsterdam. Jetzt ist Karantonas Vertriebsleiter bei der Citibank. Würde man ihn nur reden hören, würde man denken, er sei ein Deutscher. Aber er ist Grieche. »In 20, 30 Jahren wird Karantonas ein ganz normaler deutscher Nachname sein«, lacht er. »Wie heute Klose oder Podolski.«

Calmaz und Karantonas sind Aufsteiger aus der zweiten Generation der Migranten – selbstbewusst, eloquent, die Karriere fest im Blick. Wie auch Aygül Özkan kommen viele aus einfachen Verhältnissen. Özkan, 35, führt als Niederlassungsleiterin der TNT Post in Hamburg 400 Beschäftigte. Ihr Vater war Schneider, ihre Lehrer gingen in seinem Laden ein und aus und erfuhren, dass es die Tochter weiter bringen sollte als er.

Özkan ärgert die Gleichgültigkeit mancher Deutscher gegenüber den Ausländern und ihre Unwissenheit darüber, dass Migrantenkinder oft »soziale Kompetenz, Neugier und einen starken Hang zur Selbstständigkeit mitbringen«. Sie engagiert sich im Verband türkischer Unternehmer für mehr Lehrstellen in Migrantenbetrieben und in der Lokalpolitik dafür, dass Ausländer Gehör finden. »Da kommt ja meine liebste Türkin«, schallt es ihr mitunter auf Empfängen entgegen.

Özkan ist Deutsche. Ihren vierjährigen Sohn erzieht sie zweisprachig und bikulturell: »mit dem Besten aus beiden Welten«.