Vergangene Woche im Expo Centre von Shanghai. Die Trommeln dröhnten, die Becken schepperten, ein halbes Dutzend würdiger Herren durchschnitt feierlich ein rotes Band. Mittendrin ein strahlender Spitzenmanager der Deutschen Bahn AG (DB), ihr Vorstandsmitglied Norbert Bensel. Aber was hat eigentlich die Bahn bei der Eröffnung einer Transport- und Logistikmesse in Chinas Boomtown zu suchen?

Ganz einfach: Sie macht sich bekannt und wirbt um Kunden. Was in deutschen Landen die wenigsten Bahnfahrer wissen: Schon heute erwirtschaftet der bundeseigene Konzern rund 60 Prozent seiner Gewinne als Logistiker weltweit auf der Straße, zu Wasser und in der Luft; der Transport auf der Schiene verliert an Gewicht. Im vergangenen Jahr war der Umsatz der Logistiktochter Schenker mit 8,9 Milliarden Euro fast dreimal so hoch wie im gesamten Personen-Fernverkehr. Hochgeschwindigkeitszüge prägen das Image, aber das große Geschäft wird mit dem Transport von Containern, dem Betrieb von Terminals und kundennaher Distribution gemacht. Die Expansionsmöglichkeiten scheinen schier unbegrenzt.

Die Bahn, das unbekannte Wesen. Bei der aktuellen Debatte um die Teilprivatisierung der DB geht unter, dass das Unternehmen sein Geld immer weniger mit dem Personenverkehr quer durch Deutschland verdient und stattdessen seinen ganzen Ehrgeiz in die Verwirklichung internationaler Ambitionen setzt. "Weichen stellen für einen integrierten internationalen Mobilitäts- und Logistikkonzern" heißt das im Bahnjargon. Während sich Politik und Öffentlichkeit darüber ereifern, ob das Objekt ihrer Hassliebe mit oder ohne das heimische Schienennetz verkauft werden soll, hat sich Deutschlands drittgrößtes Dienstleistungsunternehmen längst zum Global Player gemausert. Auf dem weltweiten Gütertransport- und Logistikmarkt ist die DB heute schon die Nummer zwei, und diese Position will sie weiter ausbauen.