Lager hinter Stacheldraht, Arbeiter, die bis aufs Blut gequält werden: Im »Tomatendreieck« nahe der italienischen Stadt Foggia ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Mehr als 30000 polnische Saisonarbeiter arbeiten hier für zwei Euro pro Stunde unter Bedingungen, die von der polnischen Mafia diktiert werden. Der Skandal liefert das grässlichste Beispiel für die neue Binnenwanderung in der EU – aber er ist kein Beweis dafür, dass sie aus dem Ruder läuft. BILD

Italiens Statistik weist mit 0,1 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung einen der niedrigsten Anteile von Arbeitskräften aus den neuen EU-Staaten auf. Irland liegt mit 1,9 Prozent an der Spitze, Deutschland mit 0,9 Prozent in der Spitzengruppe. Der Durchschnitt fällt mit 0,2 Prozent so niedrig aus, dass er alle Katastrophenszenarien hinfällig macht.

Der Verein European Citizen Action Service (Ecas) in Brüssel legte Anfang September die jüngste Studie über die Freizügigkeit von Arbeitern in der Gemeinschaft der 25 vor. Darin werden bis Ende 2005 für Deutschland 490000 Menschen mit Arbeitserlaubnis aus dem Osten gezählt, obwohl Deutschland eine Übergangsregelung strikt anwendet, der zufolge die Arbeitserlaubnis für Bürger der neuen Mitgliedstaaten maximal bis zum Jahr 2011 beschränkt werden kann. Hingegen verzichteten Großbritannien, Irland und Schweden auf jegliche Beschränkung, was einen rasanten Zuzug ausgelöst hat (siehe oben). In der Summe pendelte sich die Zahl der Arbeitsmigranten aus dem Osten allerdings in Deutschland und Großbritannien auf einem ähnlichen Niveau ein.

Die Verfasser der Ecas-Studie folgern aus den Zahlen, dass auch die EU-Erweiterung um Rumänien und Bulgarien keine riesigen neuen Migrantenströme bringen werde. Zwei Millionen Rumänen arbeiten bereits jetzt in Westeuropa. Die Niederlande oder Frankreich sind denn auch dabei, Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt Sektor um Sektor aufzuheben. Als Österreichs Kanzler Wolfgang Schüssel eine Öffnung für osteuropäische Krankenschwestern vorschlug, geriet er allerdings unter Beschuss von Sozialdemokraten und Rechtspopulisten. Dabei bekämen die »Engel aus dem Osten« nur ein Recht, das die EU-Verträge eigentlich jedem Bürger garantieren.

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