In Wahrheit sind Freiheit und Sicherheit keine Gegensätze. Schon klar.

Aber im echten Leben werden sie manchmal dazu. Darum kam diese Meldung überraschend: Bundesjustizministerin Brigitte Zypries will Journalisten besser vor staatlicher Überwachung schützen. Erstaunlich.

Damit hatte man nicht gerechnet: Der liberale Rechtsstaat begrenzt im Interesse der Pressefreiheit seine eigene Macht und verzichtet auf Mittel der Strafverfolgung. Da wird man nostalgisch. Da kommen Erinnerungen an vergangene Zeiten hoch. Als häufiger zugunsten der Freiheit entschieden wurde. Das war, bevor jedermann sich immer und überall filmen und speichern ließ. Irre lange her. Ist den jungen Leuten von heute gar nicht mehr zu vermitteln. Ja, ja, geht nur und fragt mal Oma und Opa: Die sind echt auf die Straße gegangen, weil sie nicht verraten wollten, wie viele Herdplatten sie zu Hause hatten.

Lustig, dass nun ausgerechnet diese Große Illusion einer Koalition ihren Restliberalismus zusammenkratzt, um die Presse besser zu schützen. Es wird aber höchste Zeit: einmal, weil die Bundesrepublik bei Reporter ohne Grenzen inzwischen hinter Ländern wie Trinidad und Tobago liegt, was die Pressefreiheit angeht. Aber auch deshalb, weil inzwischen sogar Zeitungen wie die Süddeutsche Zeitung die Pressefreiheit ihrem Geschmacksurteil opfern wollen. So hat sich die SZ neulich einen ganzen Artikel lang mit Sex und Ekel und Bild-Zeitung beschäftigt und dann die gesellschaftliche Ächtung von Diekmann/Döpfner/Springer gefordert. Dass diese Personen geachtete Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft bleiben können, schrieb er, das ist das eigentlich unfassbare Skandalon. Da werden dann aber unheimlich viele Plätze frei in Bayreuth, wenn alle, die für Krieg und Hunger und Zerstörung und den Treibhauseffekt und das Gammelfleisch und das schlechte Fernsehprogramm verantwortlich sind, aus der bürgerlichen Gesellschaft rausfliegen. Am Ende läuft es darauf hinaus: Man sollte die Freiheit weder der Sicherheit opfern noch dem eigenen Geschmack.