Es gibt in Nizza viele schäbige und schlecht geführte Hotels. Im Grandhotel Negresco etwa kann es einem so ergehen: Man fragt den Kellner nach dem Kuchenangebot und wird gebeten, sich doch selbst zur Vitrine zu bequemen und einen Blick auf die drei Sorten zu werfen. BILD

In einer solchen Servicewüste, das müssen sich die beiden Franzosen Philippe Chapelet und Patrick Elouarghi gedacht haben, ist es ein Leichtes, ein frisches, den Gast überraschendes Designhotel zu etablieren. Vor einigen Monaten eröffneten sie in einer ehemaligen Pension aus den dreißiger Jahren das Hi-Hotel. Man kann nicht behaupten, dass dieses Hotel personell überbesetzt ist, und die jungen und gut aussehenden Angestellten sind auch nicht im klassischen Sinne der Hotellerie ausgebildet, sondern hauptsächlich Quereinsteiger, doch sie begrüßen den Gast im pink fluoreszierenden Licht des Foyers locker und herzlich und vor allem ohne die Standardfloskeln, die in den Luxusherbergen der Hotelketten üblich sind.

Die Designerin Matali Crasset – sie hat unter anderem für Philippe Starck gearbeitet – hat dem Hotel mit der puristischen Fassade auch im Inneren etwas angenehm Einfaches verpasst. Möbel und Einrichtungsgegenstände sind in poppigen Farben gehalten und wirken so leicht, als sei das Hotel ein Experiment und könne binnen weniger Stunden wieder leer geräumt werden. Der schmale Empfangstresen und die Sessel mit dem Laptop-Tisch im Foyer zum Beispiel oder die Badewannen in einigen der 38 Zimmer, die frei stehen und vom Bett nur durch eine große Leinwand getrennt werden. Auf dieser Leinwand lässt sich mit Hilfe eines Beamers fernsehen oder Video schauen. Natürlich kann man sich fragen, ob man in einer jungen sowie kulturell und mit reichem Nachtleben verwöhnten Stadt im Hotel Video sehen möchte. Weitaus besser war die Idee von Philippe und Patrick, auf dem Dach einen Pool anzulegen und samstagabends Cocktailpartys mit DJ und guten Drinks zu inszenieren. Man blickt dann über die Dächer von Nizza, 200 Meter sind es bis zum Strand.

Nach einer durchzechten Nacht kehrt man gerne in eines der vier ganz in Weiß durchkomponierten Zimmer (zwei haben sogar eine eigene Terrasse mit Jacuzzi) zurück. Sie geben einem ein Gefühl von Klarheit und klinischer Versorgung im Notfall. Ein Notfall ist zum Beispiel, wenn einem kurz vor Betreten des Zimmers die Luft ausbleibt, weil man sich vor dem in Filz eingerollten Zusatzbett erschreckt hat, das wie ein Hotelgeist auf dem Flur steht. Es ist eine merkwürdige Angewohnheit von Designern, ihren Objekten vermeintlich originelle Namen zu geben. Matali Crasset nennt das von ihr entworfene Zusatzbett »Quand Jim monte à Paris«.

Gleich daneben steht ein Automat mit Wasser, Champagner und Limonade. Die Selbstbedienung wird hier bewusst zum Konzept, der Gast zum Selbstversorger erklärt. Er darf auch die frischen Bioprodukte vom Frühstücksbuffet selbst auf sein Zimmer tragen, wenn er will, oder in den von Bambus gesäumten Innenhof. Oder in die Bar, in der eine Art hölzerner, futuristischer Alkoven von der Decke hängt. Die Gäste, so sagen es Philippe Chapelet und Patrick Elouarghi, sollen sich im Hi-Hotel wie Schauspieler fühlen. Das junge Paar mit dem Kleinkind, die beiden offensichtlich frisch verliebten Schwulen und die älteren Herrschaften spielen an diesem Sonntagmorgen auch ganz prima mit. Wer den klassischen Service im Hotel liebt, der tut sich schwer, seine Rolle zu finden. Er wird den Besuch im Hi-Hotel jedoch trotzdem nicht bereuen.

Hi-Hotel, 3, Avenue des Fleurs, F-06000 Nizza, Tel. 0033-4/97072626,www.hi-hotel.net, Zimmerpreise je nach Kategorie und Saison von 140 Euro an