So viel verschenkte Chancen! Immer noch drängen Konservative und Kirchen darauf, die traditionelle Familie als Gesellschaftsmodell in den Mittelpunkt aller Versorgungssysteme zu stellen. Während wir inzwischen bis in die kleinsten Nanoteilchen unseres Universums vorgedrungen sind, behelfen wir uns gesellschaftlich mit Lösungen, die uralt sind und Ressourcen verschwenden.

Trennen wir doch die Feminismusdiskussion mal von allem süßlichen und aggressiven Gefühlskitsch. Dann stellen wir fest, dass hoch qualifizierte Frauen entweder ihre Ausbildung verschwenden, wenn sie sich zur Kindererziehung aus dem Erwerbsleben verabschieden, oder ihre Fähigkeit, Kinder zu haben, verschwenden, wenn sie sich in dieser Full-Time-Erwerbswelt mit dem Handikap Frau so in den Job stürzen, dass sie sich zu einem vernünftigen Familienleben nicht mehr in der Lage sehen. Eine sinnvolle Aufteilung der Gesellschaft in produktive Module zu denen nun mal auch die Ressource Kinder als Zukunft gehört würde dem ganzen emotionalen Schmalz nicht mehr so viel Raum bieten.

Ich bin Feministin egal, ob Männer sich darüber lustig machen.

Solange Arbeit falsch organisiert ist, Wörter wie Rabenmütter, Mannweiber und Karrierezicken noch Hochkonjunktur haben und Männer in der Mehrheit von der Entwicklung ihrer Kinder durch Arbeit ausgegrenzt werden, bleibe ich es auch. Was mich lediglich wundert, ist, dass Männer sich immer noch gefallen lassen, rund um die Uhr zu arbeiten, um Frauen und Kinder allein zu finanzieren. Spätestens, wenn die Kinder aus dem Haus sind, die Frau keinen Job mehr findet, sich mit Shoppen und Depressionen über Wasser hält und der Mann sich wie ein Goldesel vorkommt, sind beide die Verlierer des Systems. Mir wäre der Preis als Mann zu hoch.

Ahima Beerlage, Berlin

Posten, von denen die Autorin spricht, haben keine geregelte Arbeitszeit, und wenn man ganz nach oben kommen will, muss man mehr als acht Stunden kämpfen. In Industrie und Wissenschaft gilt die Regel: Jede Stunde, die man anderer Beschäftigung widmet, zum Beispiel Kindern, ist verlorene Zeit. Egal, ob männlich oder weiblich, eine Managerwelt wird immer kinderlos bleiben, da für Kinder keine Zeit bleibt.

Kinder zu zeugen und anderen deren Großziehen zu überlassen ist allerdings eine Scheinlösung.