Was braucht es, um als Einwanderer in Deutschland heimisch zu werden? Natürlich einen deutschen Pass. Auch ein guter Beruf und ein ausreichendes Einkommen sind gute Voraussetzungen, sich wohlzufühlen.

Und kommt gesellschaftliche Anerkennung hinzu, müsste es mit der Integration klappen. Manchmal jedoch reicht all dies nicht. Nicht der deutsche Beamtenstatus. Nicht eine Professur an einer der traditionsreichsten deutschen Universitäten. Nicht 26 Bücher, herausgebracht in den besten deutschen Verlagen. Nicht die Mitgliedschaft als erster Muslim in der Wertekommission der Christlich Demokratischen Union Deutschlands. Nicht das Bundesverdienstkreuz 1.

Klasse.

Bassam Tibi sagt der ZEIT: Ich bin nicht in Deutschland integriert.

Seit 1962 lebt der aus Syrien stammende Intellektuelle in diesem Land, seit 1973 ist er Professor für Internationale Beziehungen in Göttingen. Jetzt kündigt er an, in die USA auszuwandern. Es gibt mich nicht in diesem Land, lautet die Bilanz seines Lebens in Deutschland.

Aufmerksame Leser und Fernsehzuschauer muss dieses Urteil überraschen.

Lasen sie den Namen Tibi doch über unzähligen Aufsätzen und Interviews in großen deutschen Zeitungen, auch in der ZEIT, sahen das freundliche Gesicht mit der runden Brille in Dutzenden TV-Gesprächen. Gäbe es eine Rangliste habilitierter Quotenkönige in den Medien, Professor Tibi wäre ganz oben zu finden.