Prenzlau/Grimma

Dass der Sozialismus auf den Müllhaufen der Geschichte gehöre, gilt vor allem im Westen Deutschlands als hinreichend belegt. Dass die Geschichte der Müllhaufen in mancher Hinsicht für den Sozialismus spricht, ist derzeit in Ostdeutschland deutlicher zu erkennen. Aber der Westen lernt dazu.

Der neue Müllsystemvergleich beginnt vor fünf Jahren nahe der polnischen Grenze im brandenburgischen Landkreis Uckermark. Und er beginnt sehr marktwirtschaftlich: mit einer Ausschreibung. Weit ist das Land zwischen Grünow, Gramzow und Ziechen, weit sind auch die Wege der Müllabfuhr, hier, wo sich gerade einmal 54 Einwohner einen Quadratkilometer teilen. Die Gegend gehört zu den ärmsten in Deutschland, Jobs gibt es noch weniger als Menschen. Der Kreis muss sparen und kündigte darum seinen Vertrag mit einer westdeutschen Entsorgungsfirma. Neue, billigere Anbieter sollten in Zukunft den Abfall wegschaffen.

Die Angebote allerdings, die als Ergebnis der Ausschreibung eintrudelten, gefielen den Uckermarkern gar nicht. Die privaten Partner hätten das Geld verdient, während das Risiko bei uns geblieben wäre, sagt Landrat Klemens Schmitz, der übrigens Sozialdemokrat ist.

Was also tun? Ganz einfach. Wir haben gesagt, das machen wir selbst, sagt Schmitz. Der Staat wurde zum Unternehmer.

Um zu verstehen, welche Risiken den Kreis zu dieser Entscheidung gedrängt haben, ist es nützlich, den Blick weiter südlich schweifen zu lassen. In Sachsen, östlich von Leipzig, befindet sich der Muldentalkreis. Auch hier ist das Geld knapp, auch hier wurde daher zum Ende das Jahres 2005 ein neuer Abfallpartner gesucht und gefunden.

Viel billiger ist dieser allerdings nicht. Die neue Müllabfuhr kostet den Kreis gerade einmal 6000 Euro weniger als die alte.