Dass junge Damen den verehrten Stars nachreisen, ist alles andere als eine Seltenheit. Dass der begeistert Hartnäckige jedoch schon ein älterer Herr und das Objekt seiner Begierde die Spezies "Schachgroßmeister" ist, dürfte eine große Ausnahme sein. Just dies macht indes Mainhard Moroder vom Niederrhein, der jede Simultanveranstaltung von Großmeistern wahrzunehmen versucht. Das Ergebnis des eigenen Bemühens ist dabei für ihn zweitrangig. Hauptsache, er sitzt möglichst vielen mit diesem Ehrentitel des Weltschachbunds gegenüber.

Beim kürzlichen Sparkassen Chess Meeting in Dortmund gab es für ihn Gelegenheit, gleich drei Großmeister "auf einen Streich zu erlegen" – dort trat die Weltelite nämlich an ihrem spielfreien Tag zu Blitzpartien gegen Amateure an.

Wie nicht anders zu erwarten, konnte sich der russische Weltmeister Wladimir Kramnik nicht nur gegen Herrn Moroder siegreich behaupten, ein gut Stück schwerer war’s da schon gegen seine Großmeisterkollegen – und noch schwerer ist es beim schon begonnenen WM-Kampf gegen den Bulgaren Veselin Topalov im russisch-kalmückischen Elista. Doch zum guten Schluss gewann Kramnik zum siebten Mal dieses Turnier, wobei ihm gegen den Georgier Baadur Jobava der kürzeste Sieg seiner Laufbahn in nur 15 Zügen gelang.

Unvorsichtigerweise hatte der Georgier zuletzt mit 14.e5 den Springer f6 angegriffen, doch Kramnik als Schwarzer ignorierte diese Drohung und kam mit einer glänzenden Opferkombination in entscheidenden Vorteil. Wie?

Helmut Pfleger