Der letzte Gottesdienst wird hart werden, sagt Sigrid Lampe-Densky, die Pastorin der verarmten Gustav-Adolf-Gemeinde in Hannover. Sobald die liberale jüdische Gemeinde den Kaufpreis von 350000 Euro zusammenbekommen hat, soll die Kirche verkauft und zu einer Synagoge mit Gemeindezentrum umgebaut werden. Die jüdische Gemeinde sucht größere Räume für ihre vielen neuen Mitglieder aus Osteuropa, während die evangelische Gemeinde schrumpft und vor allem kein Geld mehr für den Unterhalt der Gebäude hat.

Es ist das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass eine Kirche zur Synagoge wird. Die Zufriedenheit darüber, dass eine jüdische Gemeinde die Kirche übernimmt, ist groß: Das Christentum ist der Spross auf dem Baum des Judentums, weiß der hannoversche Oberkirchenrat Klaus Grünwaldt. Und dann verweist er noch auf etwas, das theologisch nicht ganz sauber zu fassen sei: unsere Geschichte als Deutsche. Die Pastorin sieht es ähnlich: In dem Land, wo die Shoah geschehen ist, ist die Umwandlung einer Kirche in eine Synagoge ein Signal zur Versöhnung.

Für Ingrid Wettberg, die Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde in Hannover, ist das weniger wichtig. Sie denkt mehr an das Praktische. Als sie vor elf Jahren die Gemeinde begründete, gab es knapp 80 Mitglieder, heute sind es über 500. Derzeit treffen sie sich im ersten Stock eines Bürogebäudes, bald haben sie mehr Platz.