Die Wahl ist geschlagen, und der Überraschungssieger beweist, dass Optik offenbar doch nicht alles ist. Sie kann auch zum Erfolg führen, wenn sie schief ist, sei es durch die eigene Unbeholfenheit oder die der Verbündeten. Ob nun ein Knick in der Optik des Wahlvolkes vorliegt oder nicht, lässt sich am FPÖ-Ergebnis nicht einwandfrei feststellen. Der verfeindete, lange Zeit optisch unterlegene orange Bruder zieht vermutlich ins Hohe Haus ein, was kurzsichtige Meinungsforscher für unwahrscheinlich gehalten haben. Der Professor, der durch die Entdeckung der Langsamkeit hoffte, dass hinter seinem Habitus Weitsichtigkeit vermutet wird, bleibt nur auf den ersten Blick erfolgreich. Auf lange Sicht gesehen, nicht überraschend, da seine Richtung für viele nicht abzusehen ist.

Der Titelverteidiger, der auf einem Plakat so wirkt, als würde er sich das Gesicht waschen, ohne dabei die Brille abzunehmen, macht nicht nur auf den ersten Blick den Eindruck, lediglich die eigene Perspektive zu kennen und Arroganz als einzige Form des politischen Umgangs zu sehen. Die augenscheinlich erfolgreichste Strategie wandte offenbar die Partei der Nichtwähler an. Ohne klar ersichtliches Programm angetreten, was sie auf den ersten Blick von allen anderen Wahlwerbern nicht unterscheidet, hat sie satte 25 Prozent eingefahren und ist damit drittstärkste Kraft. In den Koalitionsüberlegungen dürfte sie aber keine Rolle spielen. Auch die Taktik, ohne Spitzenkandidaten anzutreten, wurde angesichts der Konkurrenz offensichtlich nicht als Nachteil angesehen.