Diese Überzeugungskraft der Umfragen, der Aufbau der dazugehörigen Stimmungslage, all das funktioniert jedes Mal wieder, obwohl die österreichischen Marktforscher schon mehrfach deutliche Fehlprognosen abgegeben haben. Negative Höhepunkte: die Volksabstimmung zum EU-Beitritt 1994, wo eine tatsächliche Zweidrittelmehrheit als »ganz knapp« und als »eher über fünfzig Prozent« dargestellt wurde, oder die Gemeinderatswahlen 2001 in Wien, bei der niemand die absolute Mehrheit der SPÖ prognostiziert hat und der durchschnittliche Schätzfehler bei sechs Prozent lag.

Bei der Nationalratswahl 2006 ist es allerdings ungerechtfertigt, die Meinungsforschung zu schelten. Die Umfragen haben zwar alle die Niederlage der ÖVP unterschätzt, aber in vier von fünf publizierten Umfragen eine Woche vor der Wahl liegt das Schätzergebnis innerhalb der statistischen Schwankungsbreiten. Desaster sehen anders aus.

Günther Ogris und Christoph Hofinger leiten gemeinsam das Sozial- und Politikforschungsinstitut SORA in Wien.

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben »

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