Eigentlich müsste der diesjährige Physik-Nobelpreis in 1600 Teile geteilt werden. Etwa so viele Wissenschaftler und Techniker brauchte es, um die Daten und Ergebnisse des Cobe-Satelliten zutage zu fördern.

Doch die Öffentlichkeit (und die Statuten des Nobelkomitees) verlangen nun einmal nach einzelnen Forscherhelden, denen man den ganzen Ruhm einer Entdeckung zuschreiben kann. So kommt es, dass der Nobel-Glanz für das Cobe-Projekt auf zwei Einzelpersonen fällt John C. Mather und George F. Smoot.

Gegensätzlichere Naturen hätten die Stockholmer kaum ehren können.

Denn Mather und Smoot haben sich schon früh darüber entzweit, wem der Ruhm an den aufsehenerregenden Resultaten des Cobe-Satelliten zukommt.

Während Mather als "Chief Project Scientist" die Devise ausgab, die Ehre müsse unter allen Beteiligten geteilt werden, verstand es Smoot, sich selbst als Hauptentdecker zu inszenieren. Schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse ließ er Details an die Presse durchsickern und unterschrieb bald danach den Vertrag für ein Buch, in dem er die Cobe-Ergebnisse gewinnbringend vermarktete. Einige Jahre später veröffentlichte Mather "die wahre Geschichte" des Cobe-Projekts, in dem er Smoot Verrat und einen Hang zur Selbstdarstellung vorwarf. Davon aber nahm allenfalls die Fachwelt Notiz - der Medienstar war und blieb Smoot.

Von solchen Querelen ist in der Begründung des Nobelkomitees natürlich nicht die Rede. Und man darf die Verleihung des Preises an beide als eine Art der erzwungenen Versöhnung ansehen. Verdient haben ihn beide zweifellos. Denn mit dem 1989 gestarteten Cobe-Satelliten läuteten sie gewissermaßen die Zeit der modernen Kosmologie ein, die an die Stelle früherer Mutmaßungen eindeutige Messergebnisse setzt.

Cobe vermaß erstmals präzise die so genannte kosmische Mikrowellenstrahlung und lieferte damit den bis dato tiefsten Blick in die Zeit kurz nach Entstehung des Universums. Wenn man so will, zeigte uns Cobe das erste Babybild aus der Frühzeit unseres Alls. Die Mikrowellenstrahlung ist nämlich nichts anderes als der Nachhall jenes gewaltigen Urknalls, mit dem vor rund 14 Milliarden Jahren alles begann.