Das hat gerade noch gefehlt: Die Bahn streikt. Es geht nicht etwa darum, dass ihre Mitarbeiter höhere Löhne oder bessere Arbeitsbedingungen fordern. Stattdessen will die Eisenbahnergewerkschaft Transnet durchsetzen, dass die bis 2010 vereinbarte Arbeitsplatzgarantie weiter gilt, auch wenn die Bahn privatisiert wird. Die Bahn sagt dazu, sie könne diese Garantie nur dann geben, wenn der Bahnbetrieb und das Schienennetz beim Börsengang ein einziges Unternehmen bleiben. Darum wird aber noch heftig gestritten.

Also streiken die Bahner erklärtermaßen dafür, dass die Bahn nur zusammen mit ihrem Netz privatisiert werden darf. Ihr Streik ist politisch, denn es ist die Sache des Parlaments, darüber zu entscheiden, in welcher Form die Bahn privatisiert wird.

Dass die Bahner jetzt den Zugverkehr lahm legen, trägt absurde Züge. Schließlich kämpft Bahnchef Hartmut Mehdorn selbst dafür, dass der Konzern als Ganzes an die Börse kommt. Ihm geht es nicht primär darum, den Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz zu garantieren. Er will die Verfügung über das Schienennetz nicht teilen. Beide, Bahnmanagement und Gewerkschaft, sind also vereint im Kampf gegen das, was sie die "Zerschlagung der Bahn" nennen. So muss Mehdorn dem Gewerkschaftsboss Norbert Hansen eigentlich dankbar dafür sein, dass er den "integrierten DB-Konzern" fordert und für dieses Ziel die Schienen blockiert.

Was derweil den vielen tausend Zugreisenden zugemutet wird, ist der bislang spektakulärste Auswuchs der leidigen Privatisierungsdebatte. Längst wird nicht mehr darüber debattiert, dass der Bund einen Teil seiner Bahnaktien an private Investoren verkaufen will. Mehdorn fordert diesen Börsengang, und die Bundesregierung hat ihn in ihrem Koalitionsvertrag versprochen. Die Form der Privatisierung bleibt dagegen umstritten. Der Kern des Problems ist die Angst vor einem privaten Monopol: Wenn die Bahn als Quasimonopolist mitsamt ihrer Infrastruktur (also Schienennetz, Sicherheitssystemen, Tunnels, Bahnhöfen) privatisiert wird, kann sie weiter darüber bestimmen, wer ihr zu welchen Konditionen Konkurrenz machen darf.

Das fördert weder den Wettbewerb auf der Schiene noch die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene. Also muss das Netz im Eigentum des Staates bleiben, argumentieren die Befürworter einer Zerschlagung der Bahn. Die Freunde einer Privatisierung am Stück behaupten hingegen, schon jetzt gebe es mehr Wettbewerb auf deutschen Schienen als irgendwo sonst in Europa. An der Börse werde sich niemand für die Aktien der Bahn interessieren, wenn sie ohne ihr Netz angeboten werde. Zwar schreibe das Grundgesetz vor, dass die Infrastruktur mehrheitlich im Bundesbesitz bleiben müsse, doch das sei kein Problem: Niemand denke daran, die Deutsche Bahn AG komplett zu verkaufen. Man solle ein gut funktionierendes und wachsendes Unternehmen so weiterbetreiben wie bisher.