Als ob die Nerven vieler Universitätspräsidenten nicht ohnehin schon zum Zerreißen gespannt wären. Als ob es in den deutschen Hochschulen an Gerüchten und Schicksalsszenarien mangeln würde. Ausgerechnet eine Woche vor der Entscheidung über die Sieger der Exzellenzinitiative verkündet die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Ergebnisse ihres neuen Förderrankings – und heizt die Spekulationen weiter an: Wer gewinnt den Elitewettbewerb? Wo arbeiten jene Forscher, die mit zusätzlichen Fördermillionen rechnen dürfen?

Denn wenn die Gutachter über die Anträge des Elitewettbewerbs entscheiden, spielt nicht nur die Qualität der zukünftigen Vorhaben eine Rolle, sondern ebenso die Forschungsstärke der Hochschulen in der Vergangenheit. Genau diese Leistung messen sowohl die Förderrangliste der DFG als auch das Forschungsranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) , das – strategisch zum Zeitpunkt höchster Aufmerksamkeit veröffentlicht – gleichfalls in dieser Woche erscheint.

Eine Antwort auf die Frage, wo die voraussichtlichen Sieger des Wettbewerbs zu suchen sind, zeichnet sich danach bereits ab: vor allem im Süden Deutschlands. Schaut man sich die ersten Plätze beider Ranglisten an, dann findet man zwei Drittel der forschungsstarken Hochschulen in Baden-Württemberg und Bayern.

Detaillierter als jemals zuvor listet die DFG auf , in welchem Maße sie Universitäten in den Jahren 2002 bis 2004 für förderungswürdig hielt. Der Wettbewerb um die so genannten Drittmittel der DFG ist groß: Im Schnitt lehnen ihre Gutachter mehr als die Hälfte aller eingereichten Vorschläge ab.

Die meisten Gelder sammeln – ähnlich wie in den Jahren zuvor – die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München sowie die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) in Aachen ein, gefolgt von Heidelberg. Alle drei Universitäten haben auch im Elitewettbewerb viele ihrer Anträge in der ersten Runde durchgebracht und damit gute Chancen, sich in Zukunft Spitzenuniversität nennen zu dürfen.

Kleine Universitäten suchen ihre Stärken in der Nische

Betrachtet man die anderen Spitzenplätze, fallen neben den »ewigen Großen«, wie DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker sie nennt, einige Aufsteiger auf, etwa die Universität Würzburg, eine Hochburg medizinischer Forschung. Ebenso von Ranking zu Ranking nach vorn schieben konnten sich die Technischen Hochschulen in Karlsruhe und Dresden sowie die Humboldt-Universität – ein Trost für die Berliner, haben sie in der erster Runde des Exzellenzwettbewerbs doch enttäuscht.

Zu einem regelrechten Triumph des Südens wächst sich der Vergleich jedoch aus, wenn man die relative Forschungspotenz, also die eingeworbenen Gelder pro Professor betrachtet: In dieser Kategorie können nur die Medizinische Hochschule Hannover und die RWTH Aachen mit der Konkurrenz aus Bayern und Baden-Württemberg mithalten.

Dass die eingeworbenen Gelder viel über die Qualität einer Universität aussagen, beweisen auch andere Zahlen, die die DFG vorlegt. So genießen drittmittelstarke Hochschulen ein hohes nationales wie internationales Renommee: Die beiden Münchner und Berliner Universitäten verfügen zum Beispiel über besonders viele Fachgutachter und ziehen überdurchschnittlich viele internationale Wissenschaftler an.

Aber auch kleinere Hochschulen verstehen es zunehmend, in bestimmten Disziplinen zu glänzen. Das gilt für die Universität Mannheim in den Verhaltens- und Sozialwissenschaften, für Bremen in Geologie und Meereskunde oder für Paderborn. »Die Universität der Informationsgesellschaft« (Eigenwerbung) konzentriert sich stark auf die Computerwissenschaften und ihre benachbarten Disziplinen. In der Exzellenzinitiative bewerben sich die Ostwestfalen konsequenterweise mit Anträgen in diesen Fächern.

»Spitzenhochschulen in der gesamten Breite werden weniger, die übrigen versuchen sich zu profilieren«, beobachtet Detlef Müller-Böling vom Centrum für Hochschulentwicklung. »Mehr Universitäten bilden jeweils besondere Stärken heraus.« Das Forschungsranking des CHE, einer von der Hochschulrektorenkonferenz und der Bertelsmann-Stiftung getragenen Einrichtung, erstellt sein Urteil über die Forschungspotenz der Universitäten auf einer breiteren Basis als die DFG. Es analysiert neben den Drittmitteln auch die Zahl wissenschaftlicher Publikationen, Patente oder Promotionen. Daraus ermittelte das CHE bisher in 16 verschiedenen Fächern, welche Hochschulen besonders forschungsstark sind. In Mathematik ist dies 2006 unter anderem Bonn, in Physik Heidelberg, in Biologie Tübingen und in Chemie die Technische Universität München.

Im CHE-Ranking, das von der Deutschen Telekom Stiftung unterstützt wird, gelang es der TU München, in besonders vielen Fächern zu brillieren. Dass die Hochschule hingegen beim DFG-Förderranking auf den ersten Blick nicht ganz so gut abschneidet, liegt daran, dass sie ihre Drittmittel in erster Linie von anderen Förderern bezieht, etwa vom Bund oder der Wirtschaft.

Das Beispiel zeigt: Kein Ranking kann die wissenschaftliche Wirklichkeit detailgetreu wiedergeben. Gerade zwischen zwei aufeinander folgenden Plätzen bestehen mitunter nur winzige Unterschiede.

»In einigen Fakultäten findet Forschung kaum noch statt«

Den großen Graben jedoch, der die deutschen Spitzenuniversitäten von den schwächeren Hochschulen trennt, offenbaren die Vergleiche sehr deutlich. Mehr als die Hälfte der DFG-Gelder verteilt sich auf nur 20 Universitäten. Im CHE-Ranking gelangt eine große Zahl von Universitäten nur mit einem oder keinem einzigen Fach in die Kategorie der forschungsstarken Disziplinen. »An einigen Fachbereichen findet Forschung kaum statt – aus welchen Gründen auch immer«, analysiert CHE-Leiter Müller-Böling. Der Exzellenzwettbewerb wird diese Unterschiede noch vergrößern. Für die deutschen Universitäten bricht ein neues Zeitalter an: am Freitag kommender Woche, um 15.30 Uhr.

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