Auf dem Papier muss die Verbindung von Brian De Palma und James Ellroy perfekt ausgesehen haben: eine Ehe, geschlossen in der Hölle einer amerikanischen Großstadt, ein Vertrag zwischen zwei Visionären des Bösen, ratifiziert von bestechlichen Cops, promisken Starlets und psychopathischen Gangstern. Zusammengenommen haben der Regisseur und der Kriminalschriftsteller womöglich mehr Sex-and-Crime-Fantasien produziert als der gesamte Rest der Populärkultur seit den ausgehenden Siebzigern. Dabei bewegte sich der eine, in Filmen wie Obsession , Dressed to Kill oder Body Double , meist auf einer Metaebene, irgendwo zwischen Persiflage und Pastiche, während beim anderen ein grundlegender Ernst herrscht. Und vielleicht ist dieser Temperamentsunterschied das Problem von Brian De Palmas Adaption des Ende der achtziger Jahre erschienenen Ellroy-Romans The Black Dahlia.

Das Buch, nicht das einzige zum Thema, basiert bekanntlich auf einem wahren Fall. 1947 wurde auf einem unbebauten Grundstück in South Central Los Angeles die nackte, in zwei Teile zerlegte und buchstäblich ausgeweidete Leiche der 22-jährigen Elizabeth Short gefunden, einer "Goldgräberin", die sich an den Rändern des Filmbusiness, sozusagen auf der Nachtseite Hollywoods herumtrieb. Als "Schwarze Dahlie" ging Short in die Kriminalgeschichte ein; sie wurde zu einer urbanen Legende, gehätschelt vom Boulevard wie von der Kulturtheorie. Dabei haftet Ellroys Buch etwas latent Agitatorisches an. Kriminalität ist hier auf eine selten konsequente Weise mit Vorstellungen von Perversion, von sexueller "Abweichung" kurzgeschlossen: als würden Verbrechen in erster Linie von Leuten begangen, die zu viel oder zu wenig Sex in den falschen Stellungen mit den falschen Partnern haben.

De Palmas Die Schwarze Dahlie bleibt über weite Strecken nah an der Vorlage, löst aber die langen Dialogpassagen des Romans visuell auf, füllt Beschreibungslücken mit erlesenem Set- und Kostümdesign auf und verstärkt das Noir-Element des Szenarios. Josh Hartnett geht als Erzähler, in der Rolle des Ex-Boxers und Polizisten Bucky Bleichert, ungerührt und unberührbar durch De Palmas L. A.: von einem zunächst recht flotten urbanen Copleben mit einem befreundeten, geheimnisumwitterten Paar – Aaron Eckhart und Scarlett Johansson – durch kleinkriminelle Machenschaften und Polizeiintrigen hinab in einen Sumpf aus Sadismus und Verderbtheit, an dessen Grund ein reicher, inzestuöser lokaler Clan mit Verbindungen zum Film lauert.

Schon ein Blick auf die Topografie von Stadt und Genre, mit Sportarena und Kino, Polizeirevier und Diner, Lesbenclub und Nobelvilla, lässt ahnen, in welchem Maß der Film Zitate und Motive türmt. Anders aber als beim frühen De Palma hat dieses Spiel hier wenig Methode; im Nebeneinander von Plots und Subplots verliert Die Schwarze Dahlie schnell den Fokus. So versetzen zwar in Schwarzweiß gefilmte, fiktive Leinwandtests von Elizabeth Short den Zuschauer gelegentlich in die Position eines lüsternen Besetzungsdirektors, der das Mädchen auf mehr abcheckt als auf ihre Fotogenität. Dennoch wird das Besondere in der Mythologie der "Dahlie" nicht recht fassbar: die Traumfabrik als Ausbeutungsmaschine, Hollywood als System.

Wenn das nicht selbst schon wieder ein Klischee ist, hinter dem eher ein Wunsch als ein Befund steckt: die puritanische Hoffnung nämlich, dass sich die Schönheit als Lüge entpuppen möge und die Privilegierten keinen Spaß haben. Im Film bewegen sich tatsächlich viele Figuren, namentlich die "bad and beautiful", an der Grenze zur Karikatur, und die Fotografie erinnert in ihrer Brillanz zuweilen an Comicadaptionen. Aber De Palma nimmt sich nie wirklich die Freiheit, die Codes als Codes auszustellen; vielmehr scheint er der verdrucksten Haltung des Romans, einer Mischung aus übersext und verklemmt, zu erliegen. Wenn Hartnetts Bucky auf den Spuren der "Dahlie" in der Lesbenszene der Stadt recherchiert, fällt dem Regisseur nichts Besseres ein, als die übliche Verdächtige in diesem Zusammenhang, die Sängerin k.d. lang, aufzustellen und ein Mädchenballett mit "orgiastischen" Bewegungen zu befassen. Und wenn der Cop mit der umtriebigen Tochter aus gutem Hause (Hilary Swank) ins Bett geht, bleibt der Blick vor allem an ihrer schweren Perlenkette oder dem Cocktailring hängen. Nur selten und bezeichnenderweise fast immer in Abweichung vom Buch zeigt sich De Palmas alte Flamboyanz. Einmal setzt sich die Kamera von einem Schauplatz ab, auf dem sich Bucky und sein Kollege in ein Feuergefecht verwickelt haben, und schwebt in einer eleganten Drehbewegung über ein Gebäude, um sich in der Nachbarschaft umzusehen. Natürlich weiß sie, anders als der Held, dass hier gleich die Leiche von Elizabeth Short gefunden wird. Etwas mehr von dieser informierten Distanz hätte dem ganzen Film gut getan.