Dem spanischen Aktienindex Ibex ist es gelungen. Dem Schweizerischen SMI ebenfalls. Und sogar dem berühmtesten Index der Welt, dem amerikanischen Dow Jones : Sie haben neue Rekorde aufgestellt oder sind ganz knapp davor. Rekorde, die die alten Höchstmarken der unglaublichen Aktienhausse zum Jahrtausendwechsel in den Schatten stellen. Nur sechs Jahre und achteinhalb Monate hat es gedauert, bis der Dow Jones seinen am 14. Januar 2000 erzielten Schlussrekord von 11.722,98 am Donnerstag und Freitag vergangener Woche übersprungen hat – und bis auf 11.741 Zähler emporgeklettert ist. Selbst der Deutsche Aktienindex Dax hat die Marke von 6.000 Punkten wieder geknackt.

Doch der Rekordlauf irritiert. War die Diagnose falsch, dass es sich Ende der neunziger Jahre um eine spekulative Aktienblase gehandelt hat? Und passen steigende Aktienkurse mit der Lage der Weltwirtschaft zusammen? Denn der zweite große Finanzmarkt, der Rentenmarkt, sendet gegensätzliche Signale. Dort fallen die Renditen drastisch. Fallende Renditen aber deuten normalerweise darauf hin, dass die Käufer von Rentenpapieren ein schwächeres Wirtschaftswachstum und entsprechend geringere Preissteigerungen erwarten – unter Umständen sogar eine Rezession –, jedenfalls in den USA. Denn dort liegen die kurzfristigen Zinsen mit 5,25 Prozent deutlich über den langfristigen (4,70 Prozent). So etwas nennt man im Fachjargon inverse Zinsstrukturkurve. Eine solche Konstellation war bislang immer ein zuverlässiger Indikator für eine spätere Rezession.

Aber der Reihe nach:
Natürlich gab es eine Blase zur Jahrtausendwende. Die Kurse vieler Aktien hatten ein Niveau erreicht, das deutlich höher lag als üblich. Vor allem die damals heiß begehrten Titel aus den Bereichen Technologie, Medien und Telekommunikation waren hoffnungslos überteuert. Diese Blase ist tatsächlich geplatzt. Das zeigt die Entwicklung des Index der Technologiebörse Nasdaq . Dieser liegt heute bei rund 2250 Zählern. Anfang März 2000 notierte er mehr als doppelt so hoch bei 5050. Es dürften noch viele Jahre vergehen, bis die alten Höchststände wieder in Sicht sind. Und Aktienindizes, die einige schwergewichtige TMT-Titel enthalten, wie der Dax oder der amerikanische S&P 500 sind noch immer 15 bis 35 Prozent von ihren alten Höchstständen entfernt. So notiert beispielsweise die Deutsche Telekom, das damalige Schwergewicht im Dax, heute bei 12,50 Euro. Auf dem Höhepunkt der Übertreibung waren die Anleger bereit, bis zu 103 Euro für eine Aktie auf den Tisch zu legen.

Eine gigantische Umverteilung zwischen Kapital und Arbeit