Verlockender hätte es kaum klingen können: Mit Beginn der nächsten Heizperiode vom 1. Oktober an werde der Gasmarkt auch für Kleinverbraucher geöffnet, hatte es im Januar geheißen, nachdem die Bundesnetzagentur der Gaswirtschaft entsprechende Zusagen abgerungen hatte. Es keimte die Hoffnung, zahlreiche Anbieter würden sich bald einen lebhaften Wettbewerb um die Haushaltskunden liefern. Und der Gaspreis würde sinken.

Von wegen. Formal hat die Marktöffnung zum Oktobertermin zwar stattgefunden. Gleichwohl wird der Gasmarkt in weiten Teilen der Republik noch einige Zeit eine Veranstaltung der alteingesessenen Monopolisten bleiben. Und dies, obwohl es an potenziellen Anbietern nicht mangelt: Stromhändler, die ein zweites Standbein im Gasmarkt suchen, stehen bereit. Ebenso Gashändler, die bereits Industriekunden beliefern. Selbstverständlich spekulieren auch ausländische Gasversorger, wie die britische Centrica oder die niederländische Essent, auf Geschäfte mit deutschen Kunden.

Doch die derzeitigen Spielregeln verderben den Neuen den Spaß. Denn mit Haushaltskunden lässt sich bislang kein Geld verdienen es sei denn, ein Anbieter verfügt über ein eigenes Leitungsnetz. " Der Verkauf von Gas an Haushaltskunden ist für freie Anbieter wirtschaftlich nicht darstellbar", sagt Detlef Weidemann, Vorstandsmitglied der Potsdamer Natgas. Schuld daran seien die hohen Transportentgelte. Vor allem für die Nutzung der Ortsnetze würden Gebühren verlangt, die jeden Wettbewerber kapitulieren ließen.

Das sehen die meisten potenziellen Anbieter ähnlich. Aber es gibt Ausnahmen: Die Nuon Deutschland GmbH ist zum Oktobertermin mit einem Angebot gestartet. Das Tochterunternehmen des niederländischen Konzerns nv Nuon, dessen Anteilseigner vier holländische Provinzen sowie mehr als 60 Städte sind, verkauft in Berlin und Hamburg auch Haushalten Erdgas und tritt damit gegen die Gasag und E.on Hanse an.

Mit 5000 Kunden, 2000 in Hamburg und 3000 in Berlin, sei man gestartet, heißt es bei Nuon. Bis zu acht Prozent billiger als die etablierten Anbieter werde man sein, kündigt das Unternehmen an und sichert zudem zwölf Monate Preisstabilität zu. Schön für die Kunden.

Doch Marktbeobachter rechnen mit einem Strohfeuer. Unter den heutigen Rahmenbedingungen werde auch Nuon mit seinem Angebot kein Geld verdienen, munkeln Branchenkenner wohingegen das Unternehmen erklärt: "Wir verkaufen nicht unter Kosten."

Wie schwer der Start sein kann, erlebt gerade die Firma FlexGas, eine Schwester der Berliner FlexStrom. FlexGas kämpft darum, eine echte Gasversorgung der Kunden also mittels eigener Ein- und Ausspeisung auf die Beine zu stellen. Klappt das nicht, hofft Firmensprecher Dirk Hempel wenigstens auf Basis der so genannten Beistellung liefern zu können. Das ist eine Notlösung, eine Art "Anbieterwechsel light": Der Kunde bekommt sein Gas weiterhin vom ehemaligen Monopolisten, doch der Brennstoff geht zuvor buchhalterisch durch die Hände von FlexGas. Auch im Strommarkt gab es anfangs solche Modelle. Als Dauerlösung taugen sie nicht, weil die Margen zu gering sind.