Ein Jahr später: An das Krankenhausbett im Wohnzimmer anstelle des Sofas hat man sich längst gewöhnt. An die beiden Ungarinnen, die sich als Haushälterinnen alle vier Wochen abwechseln, auch, mehr als das: Sie sind zwei besonders reizende, liebevolle Frauen, die viel aus ihrer Welt erzählen. Der tolle Hausarzt, die Nachbarn, alle sind eine große Hilfe. Wenn ich zu Besuch komme, denke ich gelegentlich: Wie eine Wohngemeinschaft aus der Studentenzeit, nur sind die Studenten ein bisschen älter geworden. Und da ist ein kleiner, schwarzer, böser Hund, der ab und zu einen Pfleger beißt. Aber irgendwie verzeihen sie ihm das. Meine Mutter sagt, ihr gehe es gut.

Nein, es ist keine Idylle. Es gibt und gab Krisen, in zwei dramatischen Momenten wurde meine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert. Doch sie kam immer wieder zurück. Und erholte sich. Es ist eine Situation, auf die sich alle einlassen müssen, vor allem meine Mutter. Wir alle haben in den letzten Monaten gelernt, uns auf Menschen zu konzentrieren. Und noch etwas: Wir lernen, zuversichtlich zu werden. Max Krug

Zum Thema
Wohin mit den Eltern? Weshalb wir überfordert sind, wenn Mutter oder Vater zu Pflegefällen werden "

Ingrid Noll pflegt ihre 105 Jahre alte Mutter zu Hause - ein Gespräch mit der Schriftstellerin "

Mutter wird zu Hause gepflegt - die Sicht der Mutter "

Deutschland ohne Kinder? Eine Serie in vier Folgen. Grafiken, Analysen, Videoreportagen und -interviews "