Nein, Klaus Kleinfeld möchte kein zweiter Josef Ackermann werden. Kein Topmanager, der bei den Deutschen in Ungnade fällt und fortan das Böse am Kapitalismus symbolisiert. Gemessen an der öffentlichen Wut, war er nahe dran. Erst wurde vorzeitig publik, er und seine Vorstandskollegen bei Siemens sollten künftig bis zu 30 Prozent mehr Geld bekommen während sie gerade voller Schwung Tausende von Stellen streichen. Dann der GAU: BenQ treibt seine deutsche Handy-Tochter in die Insolvenz jene früheren Siemens-Betriebe, die weder Kleinfeld noch sein Vorgänger Heinrich v. Pierer zu sanieren vermochte und die sie deswegen vor gut einem Jahr dem Konzern aus Taiwan überließen.

Kleinfelds Schadensbegrenzung kam Anfang dieser Woche keinen Tag zu früh. Es reichte nicht, in den Zorn auf die Asiaten einzustimmen, die dem Standort D den Rücken zuwenden, so schnell es geht. Kleinfeld und Co. verzichten für ein Jahr auf ihre zusätzlichen Millionen zugunsten eines Härtefonds, den Siemens für die gut 3000 betroffenen Handybauer auflegt.

Siemens steht tatsächlich in der Verantwortung. Immer wieder hatten die Manager dem maroden Handy-Geschäft eine große Zukunft verheißen und in dem von Moden bestimmten Geschäft an einem Trend nach dem anderen vorbeiproduziert. Bevor er Konzernchef wurde, verantwortete übrigens Klaus Kleinfeld diese Sparte. Schließlich wurden die Mitarbeiter dazu genötigt, für weniger Geld zu arbeiten um dann erleben zu müssen, wie erst ihr Bereich abgestoßen wurde und nun sie selbst abgestoßen werden sollen. Derweil bauen ausländische Konzerne weiter mit Erfolg Mobiltelefone, auch in Deutschland.

Die Manager von Siemens waren heilfroh, als sie die Handy-Produktion endlich los waren ein Befreiungsschlag nach innen wie nach außen sollte es sein. Sie waren derart froh, dass sie den Taiwanern mindestens 400 Millionen Euro Mitgift zusagten. Denn nun mussten sie den Deutschen keinen Verkauf an eine Heuschrecke verkünden, ja nicht einmal an einen großen Konkurrenten, der gleich die Zahl der Jobs halbiert. " Ideal" nannte Kleinfeld die Lösung. Die Taiwaner nährten den Enthusiasmus.

Spätestens da begannen die Unaufrichtigkeiten. " Ideal" wäre es gewesen, wenn Siemens mit seinen Handys selbst Erfolg gehabt hätte.

"Ideal" wäre es auch, sähe sich Siemens heute nicht gezwungen, die gesamte Kommunikationssparte abzuspalten, wobei 17000 der ausgegliederten Mitarbeiter immer noch nicht wissen, wo sie landen werden. Ehrlich wäre es gewesen zu sagen: Wir haben versagt und verschaffen den Handy-Werkern eine letzte kleine Chance mit BenQ.

Freilich macht es Deutschland seinen Wirtschaftsführern schwer, ehrlich zu sein. Wie haben Politiker, Gewerkschafter und Medienmacher zunächst Kleinfeld zur Schnecke gemacht und dabei auch wilde Verdächtigungen dankbar aufgegriffen. Der Tenor: Die Kapitalisten machen gemeinsame Sache gegen das Volk. Die Logik von Kleinfeld und seinen Kollegen in deutschen Konzernen ist eine andere: Sie halten es für ihre Verantwortung, jeden Unternehmensteil profitabel zu machen, damit das Ganze nicht bedroht wird sei es durch den Druck unzufriedener Aktionäre, sei es durch Finanzinvestoren, die einen Mischkonzern wie Siemens liebend gern kaufen und zerschlagen würden.