Ein Grund zum Feiern war das eigentlich nicht, aber Thomas Straubhaar, der Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), lud zum Empfang an die Binnenalster, um das Ende seines Instituts würdig zu begehen. Nach 98 Jahren wurde eines der angesehensten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in das HWWI, das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut, eingebracht und damit abgewickelt. Nachdem dem HWWA 2004 die öffentlichen Mittel gestrichen wurden, hatte Straubhaar vor allem mit Unterstützung der Hamburger Wirtschaft, der Universität und des Senats das HWWI gegründet. Es widmet sich vorrangig regionalen Themen und wird mit etwa 30 Forschern auskommen müssen. Etwa hundert Mitarbeiter der Bibliothek werden der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften am Kieler Institut für Weltwirtschaft zugeordnet. Doch Straubhaar beteu-ert: "Trauer war mal, jetzt herrscht Zuversicht. Wir sind wild entschlossen, 2008 eine Hundertjahrfeier zu veranstalten."

Voll erhalten will Straubhaar im Rahmen des HWWI die traditionelle Konjunkturprognose. Es ist aber offen, ob die Hamburger Ökonomen sich weiterhin an dem zweimal im Jahr vorgelegten, von der Bundesregierung finanzierten Gemeinschaftsgutachten der sechs führenden deutschen Forschungsinsti-tute beteiligen. Straubhaar: "Der Bund muss sich äußern, ob er uns weiter dabeihaben will oder nicht." Um einen Platz am Tisch der Gutachter hat sich das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim beworben. Wolfgang Franz, Chef des angesehenen Instituts und Mitglied im Sachverständigenrat, wartet ebenfalls auf eine Antwort aus Berlin. Das kann dauern, da im federführenden Wirtschaftsministerium über eine Reduzierung der Zahl der beteiligten Institute und über künftige Schwerpunkte der gelieferten Gutachten nachgedacht wird.