Ich war damals AStA-Vorsitzender in Bonn und ein typischer linker Berufsdemonstrant. Ständig protestierten wir gegen dieses und jenes, im Frühjahr waren wir nach Brokdorf gepilgert, um trotz Verbot zum Bauplatz des Atomkraftwerks vorzustoßen. Dass die Bewegung gegen die Raketen nun immer breiter wurde, war uns eher suspekt. Wir waren ja schon dagegen gewesen, als man mit dieser Meinung noch zu einer radikalen Minderheit gehörte! Jetzt diskutierte sogar meine Mutter, damals fast 60, in ihrem Kirchenkreis über die Nachrüstung. Und dann sagte sie mir, dass sie mit einer Freundin zur Demo nach Bonn kommen würde. Als sie dann mit uns auf der Hofgartenwiese stand, war mir das gar nicht peinlich, im Gegenteil, ich war stolz auf meine friedensbewegte Mutter. Und merkte, dass diese Bewegung plötzlich Kreise erfasste, die wir mit unseren Parolen nie erreicht hatten.