Der Flugzeughersteller Airbus kommt von den Staaten, die ihn schufen, einfach nicht los. Sie prägen seine Struktur bis in die Entwicklung des Riesenflugzeugs A380 hinein, die so ineffizient ist, dass der Konzern bis zum Jahr 2010 auf beinahe fünf Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verzichten muss.

Vor 36 Jahren entstand Airbus als deutsch-französisches Projekt, erst später kamen Spanien und Großbritannien hinzu. Die Regierungen förderten den Zusammenschluss ihrer Flugzeughersteller, obwohl die Luftfahrt zu den Fragen nationaler Sicherheit und des Nationalstolzes zählte. Genau diese Tradition wirkt sich jetzt fatal auf Logistik und Wertschöpfung aus. Bis heute werden Fabriken entsprechend dem Gewicht des Landes, in dem sie stehen, in der Produktion bedacht. Jeder für sich, und dann irgendwie zusammen, so lautet eine Unternehmenskultur, die dem A380 massiv schadet.

Der Konzern kommt nun nicht umhin, die gröbsten Ineffizienzen zu beseitigen. Das wird Arbeitsplätze kosten, wohl auch am Standort Hamburg. Sonst wird Airbus, das den Konkurrenten Boeing zuletzt ausgestochen hatte, auf dem Markt für Passagierflugzeuge zurückfallen. Der Markt würde es richten, würde über Airbus richten. Es muss also sein.

Damit ist es aber nicht getan, weil die französische Regierung die Marktkräfte nutzen will, um Arbeit ins eigene Land umzuverteilen. So ließen sich erste Vorschläge zur Reorganisation von Airbus zumindest deuten, und dazu passt, dass der französische Staat vor kurzem zusätzliche Aktien von EADS , der Muttergesellschaft von Airbus, erworben hat. Auf eine solche Industriepolitik kann man aber nur mit Realpolitik antworten. Anders gesagt: mit mehr Staat. Die Bundesregierung muss glaubhaft damit drohen, ebenfalls bei EADS einzusteigen. Das würde so manchen Kunden abschrecken, aber langfristig lässt sich wohl nicht anders erreichen, dass über deutsche Arbeitsplätze der Markt entscheidet – und nicht die französische Regierung.

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