DIE ZEIT: Herr Beck, wir haben gehört, Sie lesen Gedichte. Welche denn?

Kurt Beck: Ich bin da nicht festgelegt. Ich lese moderne Gedichte, aber auch Brecht. In meiner Mainzer Wohnung habe ich mehrere Bände liegen. Ich lese meistens laut, weil man sich dann konzentrieren muss und die Gedanken nicht so leicht weggleiten wie bei einem Sachbuch oder einem Roman. Dann noch ein Glas Rotwein, und nach ein paar Minuten kann ich mich gut entspannen. Das mache ich mehrfach in der Woche.

ZEIT: Haben Sie immer die Kraft, die Sie in Ihren beiden Ämtern brauchen, oder macht Ihnen die Verdichtung der Arbeit zu schaffen?

Beck: Sicher ist das ein spürbarer Unterschied zu früher. Es macht mir aber relativ wenig aus. Anfangs musste ich mich eingewöhnen, es macht mir aber zunehmend Spaß. Es ist eine intensive Art zu leben.

ZEIT: Wie gehen Sie mit dem gestiegenen Erwartungsdruck und der wachsenden Enttäuschung vieler Bürger um? BenQ meldet Insolvenz an, bei VW wird mehr Arbeit für gleichen Lohn verhandelt. Die Unsicherheit wächst, und trotzdem suchen die Leute nicht mehr Sicherheit in Gewerkschaften oder Volksparteien. Im Gegenteil, beide verlieren Mitglieder.