Wieder lernen wir etwas über die Natur des politischen Menschen. Es ist nämlich so: Frau und Mann spielen am Computer unterschiedlich.

Natürlich wissen wir, dass Frauen nichts als Frieden wollen und immerzu nichts als Frieden stiften. Alles klar so weit. Doch die Studie eines Spieleherstellers weist nun nach, dass die Unterschiede noch viel tiefer liegen als vermutet. Dabei geht es um das famose Spiel Anno 1701, in dem frau/man eine Zivilisation aufbauen und zum Blühen bringen muss, ganz aus sich heraus, mit nichts als dem eigenen Verstand. Beide Geschlechter lieben zwar, wie es in der Untersuchung heißt, "Aufbausimulationen", worunter man sich auch etwas Schlüpfriges vorstellen kann, aber nicht notwendigerweise. Gleichwohl das Fazit in den Worten des Spiegels: "Frauen wollen ein ordentliches Handbuch, anders als Männer nutzen sie tatsächlich die Hilfefunktionen im Spiel und sind verärgert, wenn die Hilfe nichts taugt."

In diesen Tagen sehen wir denn die Kanzlerin beim 1701 und wie sie entnervt am Dropdown-Menü "Hilfe" herumklickt. Beim Versuch, eine aufgeklärte Welt nach physikalischen Prinzipien einzurichten, blieb sie schon bei der Gesundheitsversorgung ihres virtuellen Völkchens hängen. Ja, sie richtete geradezu ein spätbarockes Wirrwarr an. Denn wer bezahlt hier am Ende Pest &amp - Cholera? Soll auch die Syphilis in den Morbi-Risikostrukturausgleich einbezogen werden? Reicht die Daseinsvorsorge des Staates bis zur Quecksilberkur? Das ganze Kanzleramt sucht nach dem verloren gegangenen Handbuch. 1701 hat so seine Tücken.

Was soll man sagen? So kurz im Spiel und schon Sehnsucht nach der Ballerfunktion Als Frau allerdings darf die Kanzlerin nicht wild abräumen anders als ihre Gegner. Die Unionsministerpräsidenten streicheln schon versonnen ihre Joysticks, denn das Zivilisationsspiel muss manchmal auch Spaß machen. Alles in allem keine gute Matchphase für die beteiligten SpielerInnen. Das erfuhr auch Musikliebhaberin Kirsten H. aus B. Sie hatte versehentlich auf "Mozart delete" gedrückt und machte Bekanntschaft mit einer kleinen einprogrammierten Gemeinheit des Spiels, von der in keinem Handbuch die Rede ist: mit dem "Plötzlich Aufpoppenden Großmufti".

Kein elektronisches Flammenschwert hilft gegen den "Plötzlich Aufpoppenden Großmufti". Bei Angriff oder Schmähung teilt er sich ungefähr drei Millionen Mal. Dann ist erst mal Schluss mit zivilisatorischer Leadership, zurück auf Los, keine 4000 Euro, und das Quecksilber frisst dir Löcher in deine Gesellschaft. Kirsten H. aus B.

ist die Lachnummer der ganzen LAN-Party.

Klammheimlich lacht auch der Großmeister des Spiels. Seit fünf Jahren verfolgt er bei 1701 eine Strategie, die Experten bisher für unspielbar hielten. Der Meister überrannte das Zeitalter der Aufklärung, er ist bereits im Jahr 1947 angelangt. Rot-Rot ließ keinen Großmufti aufpoppen, nicht mal einen kleinen Lafontaine. Das Geheimnis: Alles geht ohne Geld. " Wir lassen in Rot-Rot-Stadt die Syphilis einfach zu. Übellaunige Busfahrer dürfen Jagd auf Radfahrer machen: Was Zivilisation ist, bestimmen wir hier selber." Diesem Spielstand zollte unlängst auch Gottfried Wilhelm Leibniz, der Oberschiedsrichter von 1701, seine Anerkennung: "Also Wowi, in deiner Monade steckt echt die beste aller Welten."